Geschichte Vereinigten Staaten von Amerika

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Geschichte Vereinigten Staaten von Amerika 2017-03-20T11:10:58+00:00

Neben den Querverweisen im folgenden Abschnitt über die amerikanische Geschichte wird der Leser auf die Abschnitte zur Geschichte einzelner US-Bundesstaaten und auf die jeweiligen Artikel über die US-Präsidenten verwiesen. Zur Geschichte Nordamerikas vor der Inbesitznahme durch die Europäer siehe Indianer.

Kolonialzeit

Die Entdeckungs- und Erkundungsreisen des 15. und 16. Jahrhunderts von Christoph Kolumbus, John Cabot, Giovanni da Verrazano und Jacques Cartier waren die Voraussetzung für die schrittweise Besiedelung des riesigen Landes durch die Europäer. Tatsächlich war das Land zum Zeitpunkt seiner Entdeckung durch die Europäer seit ungefähr 25 000 Jahren von Indianern besiedelt, die gegen Ende der letzten Eiszeit über eine Landbrücke bei der Beringstraße von Asien her eingewandert waren. Bei Ankunft der Europäer Ende des 15. Jahrhunderts lebten wahrscheinlich zwischen drei und fünf Millionen Indianer in Nordamerika. Die Geschichte der europäischen Entdeckung und Besiedelung Nordamerikas ist zugleich die Geschichte der Vertreibung und Dezimierung der indianischen Bevölkerung und die Geschichte der Auseinandersetzung zwischen den europäischen Kolonialmächten England, Niederlande, Frankreich und Spanien um den Besitz der Neuen Welt und die Hegemonie in Amerika.

Kolonialzeit – Die ersten Siedlungen

Die Gründung von Saint Augustine 1565 im heutigen Florida durch die Spanier markierte den Anfang der europäischen Kolonisierung auf dem Gebiet der heutigen USA. Zum Zeitpunkt dieser ersten Siedlungsgründung führten England und Spanien gegeneinander Krieg, der 1588 mit der Vernichtung der spanischen Armada seinen Höhepunkt fand. Nach dieser Niederlage war Spanien als Rivale Englands um die Vorherrschaft in Nordamerika nicht mehr ernst zu nehmen.

1585 suchte Sir Walter Raleigh auf Roanoke Island vor der Küste des heutigen North Carolina Kolonisten anzusiedeln und 1587 etwas weiter nördlich in einem Gebiet, das er zu Ehren Elisabeths I., der „jungfräulichen (virgin) Königin”, Virginia nannte. Beide Versuche schlugen jedoch fehl. Die erste englische Dauersiedlung in Nordamerika war das 1607 gegründete Jamestown, benannt nach König Jakob I. von England (englisch James I.).

Kolonialzeit – Französische und niederländische Aktivitäten

Im Jahrzehnt nach der Gründung von Jamestown intensivierten auch Frankreich und die Niederlande ihre Bemühungen um nordamerikanisches Territorium. Frankreich erkannte schon früh die Bedeutung des Sankt-Lorenz-Stromes, des besten natürlichen Zugangs zum Landesinneren, und gründete 1608 in einem ersten Schritt der Landnahme die Stadt Quebec. Während der folgenden 75 Jahre nahm Frankreich zudem riesige Gebiete im Landesinneren einschließlich des gesamten Mississippi-Tales, die von Männern wie Jacques Marquette, Louis Jolliet und Robert Cavelier de La Salle entdeckt und erforscht worden waren, nominell in Besitz.

Die Niederlande erhoben Anspruch auf die New York Bay und das Gebiet um den Hudson; beides war 1609 von dem englischen Seefahrer Henry Hudson, der im Dienste der niederländischen Ostindien-Kompanie segelte, entdeckt und erkundet worden.

Kolonialzeit – Die Kolonien Neuenglands

Die englische Kolonisierung Nordamerikas erhielt 1620 einen entscheidenden Impuls, als eine Gruppe separatistischer Puritaner, die später so genannten Pilgerväter, das Siedlungsrecht in Virginia erhielt. Mit der Mayflower stachen im September 1620 von Plymouth aus 101 Kolonisten – Männer, Frauen und Kinder – Richtung Nordamerika in See, landeten jedoch nicht wie geplant in Virginia, sondern bei Kap Cod (im heutigen Massachusetts), ließen sich hier nieder und gründeten die Plymouth-Kolonie. Noch an Bord der Mayflower hatten sie als Grundlage für ihr zukünftiges Gemeinwesen den Mayflower-Compact unterzeichnet, die erste schriftliche amerikanische Verfassung.

1632 erhielt Lord Baltimore, ein Katholik, von dem anglikanischen König Karl I. die Konzession für die Kolonisierung von Maryland. Diese beiden Kolonien – Plymouth-Kolonie und Maryland – mit ihrem konfessionellen Hintergrund – hier eine Puritanergruppe, dort Katholiken – sind beispielhaft für die religiöse Vielfalt, die unter den weißen Siedlern in Nordamerika herrschte. Und eben diese religiöse Vielfalt, gepaart mit religiöser Toleranz, war es, die im 17. Jahrhundert zahllose Einwanderer aus dem von Religionskriegen und religiöser Verfolgung geprägten Europa nach Nordamerika zog. Ein weiterer Grund für den massiven Zustrom von Kolonisten im 17. Jahrhundert vor allem aus England war die zunehmende Verarmung weiter Teile der Bevölkerung in Europa, insbesondere in England, wo besonders die Landbevölkerung unter den wirtschaftlichen Veränderungen zu leiden hatte.

Die meisten der von der englischen Krone autorisierten und privilegierten Kolonien wurden noch vor Ende des 17. Jahrhunderts gegründet. Ausnahme war Georgia, das erst 1732 als Kolonie entstand. Die Kolonie Neuniederlande eroberten die Engländer 1664 von den Niederlanden; den Hauptort der Kolonie, Neu-Amsterdam, benannten sie in New York um, außerdem gliederten sie New Jersey als eigenständige Kolonie aus der ehemaligen Kolonie Neuniederlande aus. New Hampshire wurde 1679 zur Kolonie, und 1681 erhielt schließlich William Penn eine königliche Konzession für das spätere Pennsylvania.

Erster Ausdruck der Kontrolle des englischen Parlaments über die nordamerikanischen Kolonien war das Handels- und Schifffahrtsgesetz von 1651 (Navigationsakte), das den Warenverkehr zwischen den englischen Kolonien und dem Mutterland ausschließlich auf englischen Schiffen zuließ. Eine weitere Navigationsakte von 1660 untersagte Handelsbeziehungen zwischen den englischen und nichtenglischen Nationen. Doch wegen der nachlässigen Überwachung dieser Gesetze waren Schmuggel und Schwarzhandel weit verbreitet.

1660 wandelte König Karl II. von England New Hampshire und Massachusetts in Kronkolonien um. 1686 verfügte Jakob II. die Zusammenlegung von New York, New Jersey und den Neuengland-Kolonien zum Dominion of New England. Die Kolonien wehrten sich gegen diesen Zusammenschluss, die ihre Rechte gegenüber der englischen Krone schwächte: Connecticut und Rhode Island verweigerten die Rückgabe ihrer Konzessionen; in Massachusetts brach 1689 eine bewaffnete Rebellion aus; die Einwohner Bostons übernahmen die Macht in der Kolonialregierung, und in New York gab es ebenfalls einen bewaffneten Aufstand. Nach der Glorious Revolution wurde die Verfügung wieder zurückgenommen.

Die Thronbesteigung von Wilhelm III. und seiner Frau Maria II. 1689 markierte eine Neuorientierung in der englischen Außenpolitik: England wandte sich von der profranzösischen Politik Jakobs II. ab und profilierte sich nun sowohl in Europa wie auch in den Kolonien als einer der Hauptgegner Frankreichs. In den Kolonien war Frankreich der schärfste Konkurrent Englands um die Vormachtstellung.

Kolonialzeit – Die britisch-französischen Kriege

Von 1689 bis 1763 führten England und Frankreich vier große Kriege gegeneinander, die alle sowohl in Europa als auch parallel dazu in den Kolonien ausgetragen wurden: den Pfälzischen Erbfolgekrieg und sein nordamerikanisches Pendant den King William’s War (1689-1697), den Spanischen Erbfolgekrieg bzw. den Queen Anne’s War (1702-1713), den Österreichischen Erbfolgekrieg bzw. den King George’s War (1744-1748) und schließlich den Siebenjährigen Krieg bzw. den Britisch-Französischen Kolonialkrieg (1754-1763).

Die ersten drei Kriege brachten keine klare Entscheidung, obgleich der Friede von Utrecht, der 1713 den Spanischen Erbfolgekrieg beendet hatte, Frankreich zur Abtretung großer Territorien zwang, darunter Akadien, Neufundland und die Region um die Hudsonbai. Die Entscheidung brachte schließlich der vierte Krieg, aus dem nach anfänglichen Niederlagen am Ende Großbritannien als Sieger hervorging. Im Frieden von Paris, der 1763 den Britisch-Französischen Kolonialkrieg beendete, musste Frankreich alle seine Besitzungen östlich des Mississippi sowie Kanada an Großbritannien abtreten; Spanien, Frankreichs Verbündeter, musste zugunsten Großbritanniens auf Florida verzichten, erhielt aber die bislang französischen Territorien westlich des Mississippi. Großbritannien war nun die Vormacht in Nordamerika.

Unabhängigkeit und Staatsgründung – Widerstand gegen das Mutterland

Durch die Kriege hatte Großbritannien beträchtliche Schulden angehäuft und suchte nun auch die Kolonien stärker zur Finanzierung des Staatshaushaltes heranzuziehen. Dies, verbunden mit einer wieder stärkeren Kontrolle der Kolonien durch das Mutterland, provozierte mittelfristig den offenen Widerstand der Kolonien. Bereits 1764 verschärfte das britische Parlament die Navigationsakte, und 1765 beschloss es die so genannte Stempelakte. Dieses Gesetz stieß in den Kolonien auf scharfen Protest, der seinen vorläufigen Höhepunkt im Oktober 1765 im Stamp Act Congress fand. Der Kongress verabschiedete eine Declaration of Rights and Grievances, in der die Kolonien u. a. größere Selbstbestimmung und eine parlamentarische Vertretung einklagten. Das britische Parlament erkannte die Declaration zwar nicht an, nahm 1766 die Stempelakte aber wieder zurück.

1767 verabschiedete das Parlament die Townshend Acts, die u. a. eine Reihe von Waren, wie z. B. Tee, Papier, Blei, Farbe und Glas, mit Zöllen belegten. Der Widerstand der Kolonien gegen diese Gesetze manifestierte sich im Boykott britischer Waren, kolonienübergreifenden Protestaktionen und – in Massachusetts – im offenen Aufruhr gegen die britische Regierung. In Reaktion darauf verstärkte Großbritannien 1768 seine Truppen in Boston, einem Zentrum des kolonialen Widerstandes. Das wiederum verschärfte die antibritische Stimmung. Am 5. März 1770 kam es in Boston zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen britischen Soldaten und Bostoner Bürgern, dem so genannten Boston Massaker.

1770 nahm Großbritannien alle Zölle aus den Townshend Acts zurück mit Ausnahme des Teezolles. Die Kolonisten, die den Teezoll als Kontroll- und Unterdrückungsmaßnahme interpretierten, intensivierten nun den Warenboykott und entluden ihren Protest schließlich am 16. Dezember 1773 in der Boston Tea Party.

Unabhängigkeit und Staatsgründung – Der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg

1774 erließ Großbritannien mehrere Zwangsgesetze, die so genannten Intolerable Acts, die sich vor allem gegen die unbotmäßige Kolonie Massachusetts richteten und sie in Handel und Selbstverwaltung erheblich einschränkten. In Reaktion auf die Intolerable Acts versammelten sich die britischen Kolonien in Nordamerika am 5. September 1774 zum 1. Kontinentalkongress und formulierten hier eine gemeinsame Protesterklärung an König Georg III. Die Fronten verhärteten sich zusehends. Im April 1775 kam es bei Lexington zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen britischen Soldaten und der Kolonialmiliz. Der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg hatte begonnen.

Am 10. Mai 1775 trat in Philadelphia der 2. Kontinentalkongress zusammen. Der Kongress beschloss den Aufbau einer eigenen Armee, ernannte George Washington zu deren Oberbefehlshaber, gab eigenes Papiergeld aus und übernahm eine Reihe von exekutiven Funktionen, die bisher beim König lagen. Darüber hinaus appellierte er an die britische Regierung, die Krise auf friedlichem Weg beizulegen. Im August 1775 jedoch antwortete Georg III. mit einer Proklamation, in der er seine „loyalen Untertanen” dazu aufrief, „Rebellion und Aufruhr (in Nordamerika) niederzuschlagen”. Trotz der erneuten Verschärfung der Lage lehnte die Mehrheit des Kontinentalkongresses vorerst noch die Loslösung von Großbritannien ab, wie sie von einer radikalen Minderheit favorisiert wurde. Erst die Veröffentlichung von Thomas Paines Common Sense im Januar 1776 bewirkte in den Kolonien einen klaren Meinungsumschwung: Am 2. Juli 1776 erklärte der 2. Kontinentalkongress die Loslösung der Kolonien von der britischen Krone, und am 4. Juli 1776 verabschiedete er die im Wesentlichen von Thomas Jefferson entworfene Unabhängigkeitserklärung.

Im Unabhängigkeitskrieg gewannen nach und nach die amerikanischen Truppen, die ab 1778 von Frankreich unterstützt wurden, die Oberhand über die Briten und zwangen sie schließlich am 19. Oktober 1781 bei Yorktown zur Kapitulation. Mit der Unterzeichnung des Friedens von Paris am 3. September 1783 endete der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg. Großbritannien erkannte seine ehemaligen Kolonien in Nordamerika (außer Kanada) als die freien und unabhängigen Vereinigten Staaten an und trat alle seine Besitzungen östlich des Mississippi an den jungen Staat ab.

Die Konsolidierung der Vereinigten Staaten

Zwischen 1776 und 1789 gaben sich die Einzelstaaten Verfassungen, die auf dem Prinzip der Volkssouveränität basierten, Gewaltenteilung festschrieben und zumeist auch einen Grundrechtekatalog enthielten. Durch die 1777 beschlossenen und 1781 verabschiedeten Articles of Confederation schlossen sie sich zu einem lockeren Staatenbund zusammen, ohne jedoch ihre einzelstaatliche Souveränität aufzugeben. Der Staatenbund verfügte allerdings kaum über Kompetenzen, was sich bald in vielen Bereichen negativ bemerkbar machte, so z. B. in Wirtschaft und Handel, aber auch in den Beziehungen zwischen den Einzelstaaten. 1787 trat daher ein Verfassungskonvent zusammen, der unter dem Vorsitz von George Washington eigentlich nur die Articles of Confederation überarbeiten sollte, am Ende aber eine völlig neue Bundesverfassung ausarbeitete. Die neue Verfassung installierte einen Bundesstaat mit einer relativ starken, nach dem Präsidialsystem organisierten Bundesregierung, verlieh aber auch föderalen Elementen ein sehr hohes Gewicht. Bis 1789 hatten die meisten der Einzelstaaten die Verfassung ratifiziert, und bereits 1791 wurde sie um die ersten zehn Amendments, die Bill of Rights, erweitert, die die wesentlichen Grundrechte garantieren. Erster Präsident der Vereinigten Staaten wurde George Washington, der von 1789 bis 1797 amtierte.

Bereits unter der Regierung Washington bildeten sich in der Auseinandersetzung um den innen- und den außenpolitischen Kurs der USA die beiden ersten wichtigen politischen Parteien der US-Geschichte heraus: die Federalists und die Republicans oder Democratic-Republicans, aus denen später die Demokratische Partei hervorging. Außenpolitisch suchten die Federalists unter der Führung von Schatzminister Alexander Hamilton die Annäherung an Großbritannien; innenpolitisch strebten sie eine hierarchisch gegliederte Gesellschafts- und politische Ordnung mit einer Besitz- und Bildungsaristokratie an der Spitze an. Demgegenüber favorisierten die Republicans unter James Madison und Thomas Jefferson eine egalitäre und agrarisch geprägte Gesellschaftsordnung, und außenpolitisch tendierten sie zu einem Bündnis mit Frankreich. Zu einer Vertiefung der Kluft zwischen Federalists und Republicans kam es durch den Jay’s Treaty mit Großbritannien, der in den USA auf heftige Kritik stieß. Unter Washington bewahrten die USA in den britisch-französischen Auseinandersetzungen im Rahmen der Koalitionskriege Neutralität; sein Nachfolger, der Federalist John Adams, dagegen leitete trotz formell weiterhin andauernder Neutralität einen klar probritischen Kurs ein, was zu schweren Spannungen im Verhältnis zu Frankreich und schließlich zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen und einigen militärischen Zusammenstößen führte. Gegen diese Außenpolitik, aber auch gegen den innenpolitischen Kurs der Regierung Adams, der sich u. a. in den Alien and Sedition Acts niederschlug, formierten sich die Republicans zu einer starken Opposition; bei den Wahlen 1800 konnten sie sich mit ihrem Präsidentschaftskandidaten Thomas Jefferson klar gegen die Federalists durchsetzen.

Unter Präsident Jefferson (1801-1809) schritt sowohl die innere Konsolidierung der USA als auch ihre territoriale Expansion voran: 1803 wurde Ohio als Erster der Northwest Territory-Staaten in die Union aufgenommen, und im selben Jahr erfolgte der Kauf von Louisiana, durch den das Staatsgebiet der USA auf weit über das Doppelte anwuchs. Begleitet war die Expansion Richtung Westen von nahezu ständigen Kämpfen gegen die Indianer, die dem Vordringen der weißen Siedler Widerstand entgegenzusetzen suchten (siehe Indianerkriege). Außenpolitisch kam es unter Jefferson und seinem Nachfolger James Madison (1809-1817) zunehmend zu Konflikten mit Frankreich und besonders Großbritannien, die vor dem Hintergrund der Koalitions- und der Napoleonischen Kriege fortgesetzt die Neutralität der USA zum Teil gewaltsam missachteten. Der Konflikt mit Großbritannien eskalierte schließlich im Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812, der allerdings auch durch die Aspirationen der USA auf Kanada und Florida ausgelöst worden war. Der Krieg endete 1814 mit dem Frieden von Gent für beide Seiten ergebnislos, d. h., es wurden die Vorkriegsverhältnisse wiederhergestellt.

Die folgenden Jahre bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges waren von der fortschreitenden Expansion der USA nach Westen und Süden und einem starken wirtschaftlichen Wachstum geprägt. Unter Präsident James Monroe (1817-1825) erwarben die USA von Spanien Florida, das 1845 als Bundesstaat in die Union aufgenommen wurde. Weitere bedeutende Gebietsgewinne verzeichneten die USA 1845 durch die Annexion von Texas, den Mexikanischen Krieg (1846-1848), der ihnen Kalifornien und New Mexiko einbrachte, sowie durch den Gadsden-Vertrag von 1854. Zwischen 1815 und 1861 wurden die USA um insgesamt 16 neue Bundesstaaten erweitert, und zugleich schob sich die Siedlungsgrenze sukzessive nach Westen bis an den Pazifik vor. Verbunden war die Expansion auch weiterhin mit der Vertreibung, Umsiedelung oder sogar Vernichtung ganzer Indianerstämme. Parallel zur territorialen und inneren Konsolidierung, mit der das Entstehen eines starken nationalen Selbstbewusstseins einherging, erfolgte die Abgrenzung nach außen gegenüber den „alten” Mächten in Europa: In der Monroedoktrin von 1823 verbaten sich die USA jegliche Art der Einmischung seitens der europäischen Mächte auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, verzichteten ihrerseits aber auch auf jegliche Intervention in Europa.

Das starke Wirtschaftswachstum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts basierte zum einen auf der territorialen Expansion, zum anderen auf dem enormen Zustrom an Einwanderern. Es bildeten sich drei wirtschaftliche Großregionen heraus, die sich sozial, politisch und auch kulturell voneinander unterschieden: Im Norden und Nordosten dominierten Industrie, zum Teil in Aktiengesellschaften organisiert, und Finanzgeschäfte, im Süden der Baumwollanbau in großflächiger Plantagenwirtschaft und im Westen die Landwirtschaft und Viehzucht, d. h. die Nahrungsmittelproduktion. Unterstützt wurde das Wirtschaftswachstum, der Austausch der Regionen untereinander und damit auch die Integration der Bundesstaaten durch den forcierten Ausbau von Verkehrswegen – Straßen, Kanälen und ab 1830 des Schienennetzes. Insgesamt waren die wirtschaftlichen und die gesellschaftlichen Strukturen von hoher sozialer Durchlässigkeit geprägt, die sich wiederum positiv auf die Demokratisierung des Landes auswirkte. Im Wahlkampf des Jahres 1828, aus dem Andrew Jackson (1829-1837) als Sieger hervorging, formierten sich die beiden, bis heute das politische Leben der USA dominierenden Parteien, als sich die Republicans in die von Jackson geführten Demokraten und die Nationalrepublikaner spalteten, die später in der Whig Party aufgingen und sich schließlich mit anderen zur Republikanischen Partei vereinten.

Die Konsolidierung der Vereinigten Staaten – Die Sklavereifrage

Mit dem wirtschaftlichen Wachstum verschärften sich die Spannungen zwischen den wirtschaftlichen Großregionen, insbesondere zwischen dem industrialisierten Norden und dem auf der Plantagenwirtschaft basierenden Süden. Im Zentrum des Konflikts stand die Sklavereifrage: Technische Innovationen sowie eine ständig steigende Nachfrage nach Baumwolle hatten einen enormen Anstieg der Baumwollproduktion im Süden zur Folge, der wiederum eine starke Zunahme der Sklaverei nach sich zog. Der Norden lehnte die Sklaverei ab, der Süden verteidigte sie als seine wesentliche wirtschaftliche Grundlage. Und mit der territorialen Expansion der USA erhob sich zudem die Frage, ob die Sklaverei auch auf die neuen Bundesstaaten im Westen ausgedehnt werden solle bzw. dürfe. Die Auseinandersetzung um die Sklavereifrage führte 1860/61 schließlich zum Austritt der Südstaaten aus der Union und zum Amerikanischen Bürgerkrieg.

1820 konnte der Konflikt um die Sklavereifrage noch durch den Missouri-Kompromiss vorläufig beruhigt werden, als zugleich das sklavenhaltende Missouri und das sklavenfreie Maine als Bundesstaaten in die Union aufgenommen wurden und so das Gleichgewicht zwischen Vertretern sklavenhaltender und sklavenfreier Staaten im Senat gewahrt werden konnte. Zugleich untersagte der Kompromiss die Sklaverei im noch verbliebenen Territorium aus dem Louisiana-Kauf nördlich von 36°30′ nördlicher Breite. Der Konflikt zwischen Sklavereigegnern und -befürwortern begann sich jedoch wieder zuzuspitzen, als ab etwa 1830 die Abolitionisten-Bewegung im Norden zunehmend an Boden und Anhängern gewann und zum Teil militant gegen Sklavereibefürworter vorging. Neues Konfliktpotential lieferte 1850 die Aufnahme Kaliforniens als sklavenfreier Staat in die Union. Auch hier wurde ein – allerdings wenig tragfähiger – Kompromiss gefunden: Man ließ nach dem Prinzip der popular sovereignity die Bevölkerung des neu in die Union aufzunehmenden Staates entscheiden, ob der Staat sklavenhaltend oder sklavenfrei sein wollte.

Neuerliche schwere Auseinandersetzungen gab es, als die Zentralregion aus dem Louisiana-Kauf in Kansas und Nebraska aufgeteilt wurde, um als zwei neue Bundesstaaten in die Union eingegliedert zu werden. Kansas und Nebraska lagen zwar beide nördlich des 36. Breitengrades, aber Kansas sollte dem Süden, also den sklavenhaltenden Staaten zugeschlagen werden. Ein neuer Kompromiss, der Kansas-Nebraska-Act von 1854, hob die Bestimmungen des Missouri-Kompromisses auf und überließ nun auch in Kansas die Entscheidung über die Sklaverei der Bevölkerung. Die Folge waren blutige Auseinandersetzungen in Kansas (siehe Grenzkrieg) zwischen Sklavereibefürwortern und -gegnern, aber auch eine erhebliche Verschärfung des Antagonismus zwischen Nord- und Südstaaten.

Der Amerikanische Bürgerkrieg

In Reaktion auf den Kansas-Nebraska-Act bildete sich 1854 aus u. a. den Whigs und enttäuschten Demokraten die Republikanische Partei, die sich entschieden gegen die Sklaverei wandte und in Opposition zu den Demokraten stand, die der Sklaverei indifferent bis bejahend gegenüberstand. Die Republikaner fanden vor allem im Norden rasch breite Unterstützung; zu ihrem führenden Kopf wurde Abraham Lincoln.

1860 gewannen die Republikaner, in deren Wahlprogramm der Kampf gegen die Sklaverei eine zentrale Stelle einnahm, mit ihrem Kandidaten Abraham Lincoln die Präsidentenwahl. Unmittelbar nach der Wahl, am 20. Dezember 1860, trat South Carolina aus der Union aus. Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas schlossen sich bis Februar 1861 mit Sezessionsbeschlüssen an; Virginia, Arkansas, North Carolina und Tennessee folgten bis Mai 1861.

Im Februar 1861 konstituierten sich die bis dahin aus der Union ausgetretenen sechs Staaten als Konföderierte Staaten von Amerika, gaben sich eine provisorische Verfassung und wählten Jefferson Davis zu ihrem Präsidenten. Demgegenüber bestritt Lincoln in seiner Antrittsrede als Präsident der Vereinigten Staaten im März 1861 den Bundesstaaten das Recht zum Austritt aus der Union, erklärte aber zugleich, dass es keine Eingriffe in die Sklaverei dort geben werde, wo sie bereits bestehe. Am 12. April 1861 begannen die Konföderierten Staaten mit der Belagerung der Bundesfestung Fort Sumter in South Carolina; nach zwei Tagen musste die Festung kapitulieren. Am 15. April entsandte Lincoln Unionstruppen, die den Aufstand, als den die Union die Sezession der Südstaaten betrachtete, niederschlagen sollte. Der Amerikanische Bürgerkrieg (Sezessionskrieg) hatte begonnen.

Oberstes Kriegsziel der Union war die Wiederherstellung der nationalen Einheit, das mit der Kapitulation der Südstaaten im April 1865 auch erreicht wurde. Ein weiteres wesentliches Ergebnis des Krieges war die Abschaffung der Sklaverei: Am 1. Januar 1863 war die von Lincoln verkündete Emanzipationserklärung in Kraft getreten, die sämtliche Sklaven in den von der Union abgefallenen Staaten für frei erklärte. Und mit dem 13. Zusatz zur amerikanischen Verfassung, der am 18. Dezember 1865 in Kraft trat, wurde die Sklaverei in den USA endgültig abgeschafft.

Industrialisierung und Übergang ins 20. Jahrhundert – Reconstruction

Nach dem Bürgerkrieg suchte Präsident Andrew Johnson (1865-1869), ein Demokrat, mit seiner Politik der Reconstruction die Aussöhnung mit den Südstaaten und den Wiederaufbau des zerstörten Südens voranzutreiben. Seine Pläne wurden jedoch vom Kongress konterkariert: Im Kongress dominierten radikale Republikaner, die den Südstaaten Militärregierungen überstülpten und das alte Plantagensystem wirtschaftlich und sozial zerschlugen. Dies führte in den Südstaaten zu einer großen Verbitterung gegenüber dem Norden und gegenüber der Sklavenemanzipation, die sich unter dem republikanischen Präsidenten Ulysses S. Grant (1869-1877) noch vertiefte und u. a. in der Entwicklung eines gewaltbereiten Rassismus ihren Ausdruck fand (siehe Ku Klux Klan). 1877 wurde die Reconstruction offiziell beendet, die Unionstruppen wurden aus dem Süden abgezogen. Die Gleichstellung der in die Freiheit entlassenen afroamerikanischen Sklaven, wie sie formalrechtlich bestand, existierte im Süden jedoch bestenfalls auf dem Papier: Die im Süden wieder dominierenden Demokraten setzten eine Reihe diskriminierender Gesetze durch, die die Schwarzen in vielen Belangen entrechteten.

Industrialisierung und Übergang ins 20. Jahrhundert – Wirtschaftliche und soziale Entwicklung nach dem Bürgerkrieg

Nach dem Bürgerkrieg erlebte vor allem im Nordosten und im Mittleren Westen die Industrie eine explosionsartige Entwicklung. Wesentlicher Motor der Industrialisierung war der Eisenbahnbau, der nun mit Nachdruck vorangetrieben wurde und der sich auf zahlreiche Industriezweige fördernd auswirkte. Insbesondere in der Öl- und der Schwerindustrie entstand eine Reihe monopolistisch ausgerichteter, mächtiger Großunternehmen, organisiert als Trusts oder Holdinggesellschaften, die weitgehende Kontrolle über ganze Wirtschaftszweige sowie den Kapitalmarkt ausübten. An den Südstaaten allerdings ging der Industrialisierungsboom mehr oder weniger vorbei. Generell bestand eine enge Verquickung zwischen Wirtschaft und Politik, die vielfach von Korruption geprägt war und zu Lasten der „Kleinen” – Farmer, Pächter, Arbeiter – ging.

Zugleich schritt die Besiedelung des Westens voran, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Erschließung der USA bis zum Pazifik als Siedlungsgebiet abgeschlossen. Die Erschließung und Besiedelung des Westens war geprägt von ständigen Kämpfen gegen die Indianer, die ihr angestammtes Land gegen die weiße Inbesitznahme zu verteidigen suchten. Trotz einiger Siege der Indianer wie etwa in der Schlacht am Little Bighorn 1876 behielten die weißen Siedler und Soldaten die Oberhand. Mit dem Massaker an 400 Sioux bei Wounded Knee 1890 endeten die Indianerkriege. Die Indianer waren geschlagen, erheblich dezimiert, unter unwürdigen Bedingungen in Reservaten zusammengedrängt und blieben vorerst weitgehend rechtlos; erst 1924 wurden ihnen die vollen Bürgerrechte zuerkannt.

Der Drang nach Westen ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Schon 1848 zog der Goldrausch Zehntausende Abenteurer und Siedler nach Kalifornien; ab den sechziger Jahren schritt mit dem Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie die Erschließung des Westens und seine Anbindung an den Osten rasch voran; zudem boten die Homestead Laws beträchtliche Anreize für Siedler. Und schließlich erlebten die USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein enormes Bevölkerungswachstum, das vor allem durch die gewaltigen Einwandererströme aus Europa verursacht wurde. Allein in den Jahren 1865 bis 1900 kamen etwa 15 Millionen Einwanderer in die USA; ein Teil davon suchte sich als Siedler im Westen eine neue Existenzgrundlage.

Ein großer Teil der Einwanderer fand in der boomenden Industrie Arbeit. Allerdings führten die unreglementierte Industrialisierung und die Konzentration der Industrie in Großunternehmen und Trusts auf der einen, der ständige Zustrom von Arbeitskräften, die zunehmende Urbanisierung sowie das Entstehen eines breiten Industrieproletariats auf der anderen Seite bald schon zu erheblichen sozialen Problemen. Gegen die zunehmend miserablen Bedingungen der Arbeiterschaft formierten sich bereits in den sechziger Jahren erste gewerkschaftliche Organisationen; allerdings schritt der Prozess der gewerkschaftlichen Organisierung vor allem aufgrund der ethnischen Vielfalt der Arbeiterschaft nur langsam voran. 1866 schlossen sich mehrere Gewerkschaften zur National Labor Union zusammen, die allerdings 1872 wegen interner Auseinandersetzungen wieder aufgelöst wurde. 1869 wurden – zunächst als Geheimbund – die Knights of Labour gegründet, die den Arbeitern aller Wirtschaftszweige offen standen und gegenüber den Arbeitgebern einen aggressiven bis militanten Kurs verfolgten. In den siebziger und achtziger Jahren spielten die Knights of Labour ein wichtige Rolle bei den zahlreichen, zum Teil blutigen Demonstrationen und Streiks der Bergarbeiter und Eisenbahner, so etwa in Chicago 1886 bei den Haymarket-Unruhen und 1894 beim Pullman-Streik. 1886 wurden die Knights of Labour als führende Gewerkschaftsorganisation von der American Federation of Labour (AFL) abgelöst. Trotz der eindeutig unternehmerfreundlichen Politik der Regierung und obwohl zahlreiche Streiks von Bundestruppen blutig niedergeschlagen wurden, gelang es den Gewerkschaften doch, einige Verbesserungen wie etwa höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten durchzusetzen. Die wirtschaftlich ins Hintertreffen geratenen Farmer, Farmarbeiter und Pächter begannen sich ab den späten sechziger Jahren ebenfalls zu organisieren, z. B. im Granger Movement.

Die zyklisch auftretenden Wirtschaftskrisen (1873-1878, 1882-1885 und 1893-1897) brachten jeweils einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit mit sich und verschärften sowohl die sozialen Probleme wie den Arbeitskampf, führten aber auch zu einer Ausgrenzung verschiedener sowohl von Unternehmern wie weißer Arbeiterschaft nicht erwünschter Gruppen: Die Einwanderung von Nichteuropäern, insbesondere Chinesen, wurde erheblich beschränkt, die Afroamerikaner wurden zunehmend diskriminiert. So wurde z. B. die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen, Verkehrsmitteln, Schulen etc. durchgesetzt und den Schwarzen der Zugang zum politischen Leben praktisch unmöglich gemacht. Dies sowie drastische Veränderungen im „klassischen” Wirtschaftszweig der Afroamerikaner, der Baumwollindustrie, infolge zunehmender Mechanisierung drängten die schwarze Bevölkerung mehr und mehr ins soziale Abseits. In Reaktion auf ihre Diskriminierung organisierten sich die Afroamerikaner in verschiedenen Bürgerrechtsbewegungen, die allerdings bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts im Kampf um die Gleichberechtigung nur wenige Erfolge erringen konnten.

Industrialisierung und Übergang ins 20. Jahrhundert – Theodore Roosevelt und der Progressivismus

Unter Theodore Roosevelt (1901-1909), der nach der Ermordung William McKinleys 1901 ins Präsidentenamt gelangte, war die Innenpolitik durch den Progressivismus (Progressive Movement) geprägt. Der Progressivismus hatte sich in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Reaktion auf die sozialen Missstände und das Laissez-faire-Prinzip in der Wirtschaft herausgebildet und setzte sich – mit Roosevelt als einem seiner führenden Vertreter – in erster Linie die Behebung dieser Missstände zum Ziel. Konkret engagierte sich die Regierung Roosevelt vor allem für eine bessere Kontrolle und gegen die Korruption in Regierung und öffentlicher Verwaltung, für einen besseren Arbeitsschutz, eine bessere Arbeitsgesetzgebung, mehr soziale Gerechtigkeit sowie für mehr demokratische Elemente im öffentlichen Leben. Einer der Kernpunkte von Roosevelts Reformprogramm war die Entmachtung und Kontrolle der Großunternehmen und Großbanken. Hintergrund war u. a. die rapide Vermehrung der Trusts: Hatte es bis 1899 in den USA lediglich etwa 60 Trusts gegeben, so stieg ihre Zahl in den folgenden beiden Jahren auf etwa das Dreifache an. Manche Trusts, wie die für Rindfleisch, Rohöl, Kohle, Zucker oder die Eisenbahngesellschaft, hatten praktisch Monopolstellungen inne. Auf Roosevelts Betreiben hin verabschiedete der Kongress nun eine Reihe von Gesetzen, die die Durchsetzung der bereits bestehenden Antitrust-Gesetze unterstützen sollten. Roosevelts Nachfolger, der Republikaner William Howard Taft (1909-1913) und der Demokrat Woodrow Wilson (1913-1921), setzten seine progressive Innenpolitik in ihren Grundzügen fort. Taft allerdings geriet zunehmend unter den Einfluss des konservativen Flügels seiner Partei; in der Konsequenz gründete Roosevelt 1912 vornehmlich aus unzufriedenen Anhängern der Republikaner die Progressive Party und kandidierte für die neue Partei für das Präsidentenamt. Die Spaltung der Republikaner während des Wahlkampfes 1912 verhalf schließlich den Demokraten mit Wilson an der Spitze zum Sieg.

Industrialisierung und Übergang ins 20. Jahrhundert – Außenpolitik (1865-1914)

Die Außenpolitik der USA war vor dem Hintergrund ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Macht expansionistisch geprägt. 1867 kauften die USA Alaska von Russland ab; im selben Jahr besetzten sie die Midway-Inseln und leiteten damit den Erwerb von Stützpunkten im Pazifik entlang des Seeweges nach Ostasien ein. Die Ostasienroute war von besonderer Bedeutung, seit die USA 1854 gewaltsam die Öffnung japanischer Häfen für den Handel mit den USA erzwungen hatten.

In Bezug auf Mittel- und Südamerika wandten sich die USA nach und nach von ihrem eher passiven Kurs ab und einer die Monroedoktrin aktivistisch interpretierenden Außenpolitik zu. So betonten sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder nachdrücklich ihren Anspruch auf Vorrechte an den mittelamerikanischen Landengen bzw. an einem zukünftigen Kanal zwischen Karibik und Pazifik. 1901 erwarben sie durch den Hay-Pauncefote-Vertrag die alleinigen Rechte auf den zu bauenden Panamákanal und sicherten sich einen völkerrechtlich zweifelhaften Aufsichtsanspruch über die Kanalzone. Verschiedene Interventionen der USA in Lateinamerika waren von einer fortschreitenden wirtschaftlichen Durchdringung nahezu des gesamten mittel- und südamerikanischen Raumes und der weit reichenden Abschottung des amerikanischen Marktes gegen europäische und asiatische Konkurrenz begleitet. Siehe auch Panamerikanische Union

In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts nahm die Außenpolitik der USA eindeutig imperialistische Züge an. 1898 führten sie in Unterstützung der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung den Spanisch-Amerikanischen Krieg, der mit einem Sieg der USA endete und den USA Kuba (1902 formal in die Unabhängigkeit entlassen), Puerto Rico und Guam einbrachte; außerdem trat Spanien für 20 Millionen US-Dollar die Philippinen an die USA ab. Ebenfalls 1898 annektierten die USA Hawaii, und 1899 erwarben sie Amerikanisch-Samoa.

Infolge des Spanisch-Amerikanischen Krieges gelangten die USA an Besitzungen außerhalb ihres kontinentalen Kernlandes. Sie übernahmen damit den Status einer Kolonialmacht, der sie – neben anderen Faktoren – eine wachsende Rolle in weltpolitischen Angelegenheiten übernehmen ließen. Einen ersten bedeutenden Auftritt auf der internationalen Bühne hatten die USA bzw. Präsident Roosevelt, als er 1905 den Frieden von Portsmouth zur Beendigung des Russisch-Japanischen Krieges vermittelte.

Der 1. Weltkrieg

Zu Beginn des 1. Weltkrieges erklärte Präsident Wilson die Neutralität der Vereinigten Staaten.

Um zu verhindern, dass Versorgungs- und Rüstungsgüter etwa aus den USA Großbritannien erreichen konnten, erklärte das Deutsche Reich 1915 für die Gewässer um Großbritannien und Irland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Im Mai 1915 torpedierte ein deutsches U-Boot ohne Vorwarnung das britische Passagierschiff Lusitania (das allerdings auch Munition und Waren transportierte) vor der irischen Küste; 1 198 Menschen – darunter 128 Bürger der Vereinigten Staaten – kamen dabei ums Leben. Der Lusitania-Zwischenfall verschärfte die antideutsche Stimmung in der US-amerikanischen Öffentlichkeit erheblich, die Forderung nach einem Kriegseintritt der USA gegen die Mittelmächte wurde immer nachdrücklicher. Die Regierung Wilson lehnte einen Kriegseintritt jedoch (noch) strikt ab, bewirkte aber durch scharfe Proteste und Drohungen die Rücknahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges durch das Deutsche Reich.

Ende Januar 1917 nahm das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf; etwa um dieselbe Zeit erhielt die Regierung Wilson Kenntnis von der so genannten Zimmermann-Note, ein gegen die USA gerichtetes Bündnisangebot des Deutschen Reiches an Mexiko. Diese beiden Faktoren sowie die sich weiter verschärfende antideutsche Stimmung in den USA und vor allem auch die sich nun durchsetzende Überzeugung, dass die USA nur dann auf eine friedliche, demokratische, an ihren Vorstellungen orientierte Weltordnung hinwirken könnten, wenn sie sich auch am Krieg beteiligten, waren es, die den Kongress auf Betreiben Wilsons am 6. April 1917 dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten den Krieg erklären ließen. Die USA entsandten fast zwei Millionen Soldaten auf den europäischen Kriegsschauplatz, wo sie 1918 maßgeblich am Sieg der Entente über das Deutsche Reich beteiligt waren.

Bereits im Januar 1918 hatte Wilson in den Vierzehn Punkten sein Programm für eine friedliche, stabile Nachkriegsordnung vorgestellt. Zentrales Anliegen der Vierzehn Punkte war die Wiederherstellung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker sowie die Etablierung eines internationalen friedenssichernden Instruments, des Völkerbundes. Auf der Pariser Friedenskonferenz spielte Wilson zwar eine zentrale Rolle; seine Vierzehn Punkte wurden allerdings nur sehr modifiziert in die Pariser Vorortverträge, insbesondere den Versailler Vertrag aufgenommen. Lediglich der 14. Punkt, die Schaffung des Völkerbundes, wurde weitgehend nach Wilsons Vorstellungen realisiert. In den USA jedoch stieß der Völkerbund, so wie er im Versailler Vertrag definiert war, auf breite Ablehnung: Man befürchtete eine nicht hinzunehmende Beschränkung der außenpolitischen Handlungsfreiheit der USA. Der Senat verweigerte trotz des großen Engagements Wilsons für die Annahme des Versailler Vertrages die Ratifizierung; die USA traten dem Völkerbund nie bei und kehrten nun wieder zu einer isolationistisch orientierten Außenpolitik zurück. Mit Deutschland schlossen die USA 1921 einen separaten Friedensvertrag.

Die goldenen zwanziger Jahre – Boom und Zusammenbruch

Innenpolitisch erreichte Wilson 1920 mit dem 19. Zusatz zur Verfassung die Einführung des Frauenwahlrechtes. Dies markierte auch in etwa das Ende der progressiven Reformpolitik. Seine Nachfolger, die Republikaner Warren G. Harding (1921-1923), Calvin Coolidge (1923-1929) und Herbert Clark Hoover (1929-1933), ließen den Kräften der erneut boomenden Wirtschaft dagegen wieder relativ freien Lauf. Neue Industriezweige, wie z. B. die Automobilindustrie und die Elektroindustrie, aber auch die Baubranche hatten enorme Zuwachsraten zu verzeichnen, die infolge von Rationalisierungen steigende Massenproduktion erlaubte Preissenkungen, während zugleich die Löhne stiegen und sich die USA zu einer Konsumgesellschaft mit vergleichsweise hohem Wohlstandsniveau entwickelten.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Nachkriegszeit brachten aber auch eine Reihe von sozialen Problemen mit sich. So gewann z. B. der Rassismus weiter an Boden, ebenso die Fremdenfeindlichkeit. 1921 und 1924 begrenzten die USA daher die bisher unbeschränkte Einwanderung per Gesetz drastisch auf jährlich 150 000 Personen; Asiaten durften praktisch überhaupt nicht mehr einwandern, Kanadier und Lateinamerikaner dagegen waren von der Quotenregelung ausgenommen.

Die goldenen zwanziger Jahre – Boom und Zusammenbruch – Prohibition

1919 führten die USA mit der Verabschiedung des 18. Verfassungszusatzes die Prohibition ein, das Verbot von Herstellung, Transport und Verkauf von Alkohol. Die von verschiedenen Temperenzbewegungen erhobene Forderung nach Eindämmung oder gar Verbot des Alkoholkonsums war so alt wie die Vereinigten Staaten selbst, und schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts hatten eine ganze Reihe von Bundesstaaten verschiedene Gesetze gegen übermäßigen Alkoholkonsum eingeführt. Bundesweit konnten die interessierten Kreise – primär ländliche, protestantische Bevölkerungskreise – die Prohibition jedoch erst 1919 verwirklichen. Allerdings hatten weder der Bund noch die Bundesstaaten ausreichende Mittel, die Prohibition auch flächendeckend durchzusetzen: Schwarzbrennereien, illegaler Verkauf und Ausschank und vor allem die nun rapide ansteigende organisierte Kriminalität erlebten eine Blütezeit. Ab Ende der zwanziger Jahre mehrten sich die Stimmen für eine Aufhebung der Prohibition, die sich inzwischen als Fehlschlag erwiesen hatte; während der Weltwirtschaftskrise sprach zusätzlich das Argument fehlender Steuereinnahmen aus Alkoholproduktion und -verkauf für eine Aufhebung, und 1933 wurde die Prohibition durch den 21. Verfassungszusatz wieder beendet.

Die goldenen zwanziger Jahre – Boom und Zusammenbruch – Börsenkrach und Weltwirtschaftskrise

Die anhaltende Prosperität der zwanziger Jahre verleitete in den USA zunehmend zu Investitionen im Spekulationsgeschäft. Allein zwischen 1927 und 1929 stiegen die Aktienkurse auf das Doppelte, wobei in den ersten sechs Monaten der Regierung Hoover 1929 die größten Kurssteigerungen zu verzeichnen waren. In diesem Zeitraum wurden Milliarden US-Dollar im Aktienmarkt investiert; das Kapital dafür kam aus Bankkrediten, Hypotheken oder dem Verkauf von Staatsobligationen wie den Liberty Bonds. Allein im August 1929 handelten Aktienhändler für ihre Kunden rund 300 Millionen Aktien mit Profit (carry on margin). Bis zum Oktober 1929 hatte sich dieser Kaufrausch jedoch erschöpft und schlug nun in eine fieberhafte Verkaufswelle um. Die Kurse stürzten steil ab, Tausende Anleger verloren ihr gesamtes Vermögen. Am 25. Oktober 1929, dem „Schwarzen Freitag”, erlebte die New Yorker Börse ihre verheerendsten Panikverkäufe. Zum Jahresende hatten die Kursstürze die Summe von 15 Milliarden US-Dollar erreicht.

Dieser Börsenkrach leitete eine Wirtschaftskrise ein, die nicht nur die USA erfasste, sondern sich in den frühen dreißiger Jahren zur Weltwirtschaftskrise auswuchs. Zahlreiche Fabriken mussten schließen, die Industrieproduktion sank bis 1932 auf gut die Hälfte des Standes von 1929, die Zahl der Arbeitslosen stieg im selben Zeitraum auf 15 Millionen an, Banken gingen in Konkurs, die Warenpreise fielen stetig. Die Krise verschärfte sich bis 1932 unaufhaltsam, und die Regierung Hoover tat wenig, um der Krise entgegenzuwirken, vertraute vielmehr auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Eine Folge war, dass Hoover bei den Präsidentschaftswahlen klar seinem demokratischen Herausforderer Franklin D. Roosevelt unterlag, dessen New Deal eine Überwindung der Krise versprach. Der New Deal zeitigte kurz- und mittelfristig zwar nicht die erhofften und versprochenen Erfolge, brachte aber doch relativ rasch eine Stabilisierung der wirtschaftlichen und sozialen Lage.

Die goldenen zwanziger Jahre – Boom und Zusammenbruch – Außenpolitik (1920-1932)

Die Außenpolitik der Regierungen Harding, Coolidge und Hoover war einerseits isolationistisch, andererseits von einer expansionistischen Außenwirtschaftspolitik geprägt. Daneben waren die USA infolge des 1. Weltkrieges zum größten Gläubigerland der Welt geworden.

Während des 1. Weltkrieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten die USA den Alliierten Kredite in Höhe von insgesamt rund zehn Milliarden US-Dollar gewährt. Allerdings sahen sich die unter den Kriegsfolgen leidenden Schuldnerstaaten kaum in der Lage, die Forderungen mittelfristig zu begleichen, ohne die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in ihren jeweiligen Ländern noch weiter zu strapazieren. Politische und wirtschaftliche Stabilität in Mittel- und Westeuropa hielten die USA jedoch für eine wesentliche Voraussetzung für die Abwendung des gefürchteten Übergreifens des Bolschewismus von Sowjetrussland auf den Westen. Schwächstes Glied im von den USA anvisierten Bollwerk gegen den Bolschewismus war der ehemalige Kriegsgegner Deutschland, das extrem hohe Reparationszahlungen an die Alliierten zu leisten hatte, die Deutschlands wirtschaftliche Möglichkeiten bei weitem überstiegen und für erhebliche innenpolitische Unruhen in Deutschland sorgten. Daher handelten die USA den Dawesplan (1924) und den Youngplan (1930) aus, die die Rückzahlung der Kriegskredite neu regelten und vor allem für Deutschland einen vernünftigen, langfristigen Rahmen für die Begleichung der Reparationszahlungen festlegten. Im Interesse der politischen Stabilität initiierten die USA sogar internationale Anleihen für Deutschland.

Trotz ihres isolationistischen Kurses und obwohl sie sich einer Mitgliedschaft im Völkerbund verweigert hatten, engagierten sich die USA in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren nachdrücklich für die internationale Abrüstung: Auf der Washingtoner Konferenz (1921/22) setzten sie sich u. a. für eine Beendigung des Flottenwettrüstens ein; auf der Genfer Konferenz (1927) suchten sie – erfolglos – mit Großbritannien und Japan eine Übereinkunft für weitergehende Abrüstung zu erzielen; auf der Londoner Konferenz (1930) kam erneut ein Abkommen zur Flottenbegrenzung zustande; die internationale Abrüstungskonferenz von Genf (1932-1934) scheiterte dann jedoch.

Ein Versuch zur Sicherung des Weltfriedens war der Briand-Kellogg-Pakt von 1928, initiiert vom französischen Außenminister Aristide Briand und unterstützt von seinem amerikanischen Amtskollegen Frank B. Kellogg. Durch den Pakt, der zunächst von 15 Staaten unterzeichnet wurde, verpflichteten sich die Unterzeichner zur Ächtung des Krieges als Mittel der Politik und zur friedlichen Beilegung internationaler Konflikte. Der US-Senat ratifizierte das Abkommen 1929.

Die Amtszeit Roosevelts – Zwischenkriegszeit und 2. Weltkrieg

Die Überwindung der Folgen der Weltwirtschaftskrise war Franklin D. Roosevelts (1933-1945) zentrales innenpolitisches Anliegen. Mit dem New-Deal-Programm, das eine radikale Abkehr vom Wirtschaftsliberalismus seiner Vorgänger bedeutete, suchte er vor allem die Arbeitslosigkeit in den USA abzubauen und andere, aus der Weltwirtschaftskrise resultierende soziale Probleme zu lösen. Mittel hierzu waren eine Reihe umfassender staatlicher Maßnahmen wie Arbeitsbeschaffungsprogramme, Sozialversicherungsgesetze, Stärkung der Gewerkschaften, Hilfen für die landwirtschaftlichen Kleinbetriebe und auf der anderen Seite Initiativen gegen die Konzentrations- und Monopolisierungstendenzen in Industrie und Bankenwesen. Mit diesen und ähnlichen Maßnahmen schuf Roosevelt die Grundlagen für den modernen Sozialstaat in den USA. Während des New Deal erlebte auch die Arbeiterbewegung, nun organisiert in Industriegewerkschaften, wieder einen bemerkenswerten Aufschwung, nachdem etwa die größte Gewerkschaftsorganisation, die AFL, in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren einen spürbaren Mitgliederschwund hatte hinnehmen müssen. Einen Höhepunkt fand die wieder belebte Gewerkschaftsbewegung 1935 mit der Gründung des Dachverbands Committee for Industrial Organization, der sich 1938 als Congress of Industrial Organizations (CIO) konstituierte.

Außenpolitisch führte Roosevelt die expansionistische Wirtschaftspolitik weiter und baute vor allem im Interesse der US-amerikanischen Politik die wirtschaftlichen Beziehungen zu Süd- und Mittelamerika aus. Ansonsten stand Roosevelt mit seiner Außenpolitik zumeist in Konflikt mit dem Kongress: Der Kongress befürwortete eine Fortsetzung des isolationistischen Kurses und verabschiedete u. a. in den Jahren 1935 bis 1937 einige Gesetze, die die USA zur Neutralität verpflichten und ihre neuerliche Verwicklung in einen europäischen oder gar globalen Konflikt verhindern sollten. Roosevelt dagegen plädierte angesichts des Erstarkens der faschistischen Mächte Deutschland, Italien und Japan für eine aktive Außenpolitik, in deren Vordergrund die Verteidigung bzw. Durchsetzung der wirtschaftlichen, politischen und moralischen Werte und Interessen der USA stand. Wesentliche außenpolitische Entscheidungen in den Vorkriegsjahren waren 1933 die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Sowjetunion und 1934 der Beginn der schrittweisen Entlassung der Philippinen in die Unabhängigkeit.

Die Amtszeit Roosevelts – Zwischenkriegszeit und 2. Weltkrieg – Der 2. Weltkrieg

Seit Beginn des 2. Weltkrieges im September 1939 unterstützten die USA die europäischen Alliierten gegen die Achsenmächte. Ende 1939 nahm der Kongress teilweise die Embargobestimmungen in den Neutralitätsgesetzen zurück, so dass Frankreich und Großbritannien mit Rüstungsgütern beliefert werden konnten. Im September 1940 gaben die USA 40 ausgediente Zerstörer an Großbritannien ab und erhielten im Gegenzug langfristige Pachtverträge für Marine- und Luftwaffenstützpunkte auf britischem Territorium.

1940 intensivierten die USA die Verteidigungsanstrengungen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent: 1940 bewilligte der Kongress Kredite an Lateinamerika für Verteidigungszwecke; und die USA und Kanada fanden sich im Ständigen Gemeinsamen Ausschuss zur Organisierung der Verteidigung Nordamerikas zusammen. Für das eigene Land bewilligte der Kongress 18 Milliarden US-Dollar für den Aufbau einer schlagkräftigen Kriegsmarine und den Aufbau eines 1,2 Millionen Mann starken Heeres. Darüber hinaus wurden im September 1940 das erste Wehrpflichtgesetz zu Friedenszeiten sowie Gesetze zur Mobilisierung der Wirtschaftsressourcen für einen möglichen Krieg verabschiedet.

Im März 1941 passierte das Lend-Lease-Gesetz den Kongress. Damit war der Präsident ermächtigt, den Alliierten ohne sofortige Bezahlung Kriegsgüter zu verkaufen, verleihen oder zu verpachten. Mit der Atlantikcharta kündigte sich bereits im August 1941 das enge angloamerikanische Bündnis an, das im weiteren Verlauf zentrale Bedeutung erlangen sollte. Die Charta hatten Roosevelt und der britische Premierminister Sir Winston Churchill gemeinsam erstellt. 1941 war auch das Jahr heftigster Kontroversen in den gesamten USA zwischen den Isolationisten, die strikt gegen den Kriegseintritt der USA und die Unterstützung Großbritanniens waren, und den Interventionisten, die einen Sieg über die Achsenmächte als grundlegend für die Sicherheitsinteressen der USA erachteten.

Die Debatte zwischen Isolationisten und Interventionisten endete abrupt mit dem japanischen Überfall auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbor (Hawaii) am 7. Dezember 1941: Am 8. Dezember 1941 erklärten die USA Japan den Krieg, und am 11. Dezember folgten die Kriegserklärungen Deutschlands und Italiens an die USA. Mit ihrem Eintritt in den 2. Weltkrieg übernahmen die USA sogleich auch eine führende Rolle im Kreis der Alliierten, sowohl was Menschen- und Materialeinsatz anbelangte als auch in Bezug auf die militärische und politische Koordination der Alliierten gegen die Achsenmächte. Durch ihre Einsätze in Europa, insbesondere in Italien sowie durch die Landung in der Normandie 1944 und den darauf folgenden, mit der Sowjetunion koordinierten Vorstoß auf Deutschland, trugen die USA entscheidend zum Sieg über das nationalsozialistische Deutschland bei.

Die Amtszeit Roosevelts – Zwischenkriegszeit und 2. Weltkrieg – Konferenzen der Alliierten

Roosevelts Kriegsziel war die Niederwerfung und die bedingungslose Kapitulation der Achsenmächte, allen voran Deutschlands. Auf einer ganzen Reihe von Konferenzen mit den Alliierten, insbesondere mit dem britischen Premierminister Churchill und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Jossif W. Stalin, verständigte er sich mit seinen Verbündeten auf dieses Ziel und traf Absprachen über die gemeinsame politische und militärische Vorgehensweise gegenüber den Achsenmächten. Wichtige Konferenzen waren die von Casablanca im Januar 1943 mit Churchill, auf der das gemeinsame Kriegsziel formuliert und die Invasion in Italien vorbereitet wurde; die Konferenz von Kairo im November 1943, auf der sich Roosevelt, Churchill und der chinesische Staatschef Chiang Kai-shek auf Kriegsziele und -führung gegen Japan verständigten; die Konferenz von Teheran im November/Dezember 1943, an der neben Roosevelt und Churchill erstmals auch Stalin teilnahm und auf der man sich auf das weitere militärische Vorgehen gegen Deutschland einigte sowie auch schon auf eine Aufteilung Deutschlands; die Jalta-Konferenz im Februar 1945, auf der Roosevelt, Churchill und Stalin die Aufteilung Deutschlands sowie die Westverschiebung Polens festschrieben und zugleich die Pläne zur Gründung der Vereinten Nationen (UN) konkretisierten. Auf weiteren Konferenzen wurden dann die Grundlagen für den Aufbau der UN und anderer Formen weltweiter Zusammenarbeit nach dem Krieg gelegt. Für die geplante Nachkriegsordnung hervorzuheben sind zudem die Konferenzen von Bretton Woods (New Hampshire) im Juli 1944 und Dumbarton Oaks (Washington D.C.) von April bis Oktober 1944.

Nach dem Tod Roosevelts am 12. April 1945 übernahm Vizepräsident Harry S. Truman (1945-1953) die Nachfolge. Seine Hauptaufgaben als Präsident waren die Beendigung des Krieges und die Sorge um eine Weltfriedensordnung. Am 8./9. Mai 1945 kapitulierte Deutschland vor den Alliierten, während die US-Streitkräfte auf dem pazifischen Kriegsschauplatz noch gegen Japan vorrückten. In einer Atmosphäre der Friedenshoffnungen tagte im Juni 1945 in San Francisco eine internationale Konferenz, die die Charta der Vereinten Nationen erarbeitete; am 26. Juni 1945 unterzeichneten 50 Staaten, darunter auch die USA, die Charta und vollendeten damit die Gründung der UN.

Im August 1945 gab Truman den Befehl zum Atombombenabwurf auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Die beiden Bomben fielen am 6. und 9. August 1945, die Kapitulation Japans erfolgte am 14. August.

Der Kalte Krieg

Bereits auf der Potsdamer Konferenz im Juli/August 1945, auf der sich die USA, Großbritannien und die Sowjetunion auf die endgültige Behandlung Deutschlands einigten, traten zunehmende Unstimmigkeiten und Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion zutage, die sich bald zum Ost-West-Konflikt und zum Kalten Krieg ausweiteten.

Innenpolitisch war die Nachkriegszeit in den USA von der Umstellung der Wirtschaft von der Kriegswirtschaft auf die Friedenswirtschaft geprägt. Die Kriegswirtschaft hatte in den USA zur Vollbeschäftigung geführt und den USA ein beispielloses Wirtschaftswachstum beschert; nach Kriegsende sahen sich Staat und Wirtschaft mit einem wirtschaftlichen Einbruch, gravierenden Umstellungsschwierigkeiten und, damit einhergehend, sozialen Problemen konfrontiert; zudem mussten Millionen Kriegsteilnehmer wieder eingegliedert werden. Die begleitenden Maßnahmen zur Umstellung der Wirtschaft stellte die Regierung Truman in einem 21-Punkte-Programm mit folgenden Schwerpunkten zusammen: Vollbeschäftigung, Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, massive Bundesunterstützung des Wohnungsbaues, größere Arbeitslosenunterstützung, fortgesetzte Preiskontrollen, Bundeshilfen für das Bildungswesen, Garantie der Bürgerrechte, höhere Mindestlöhne und Fortsetzung der Entwicklungs- und Wiederaufbauprogramme.

Ungeachtet der innenpolitischen Probleme behielten die USA ihre dominante Rolle in der Weltpolitik bei. Eine der diplomatischen Hauptfragen war der Umgang mit Atomenergie und Atomwaffen. Die USA legten 1946 den so genannten Baruchplan vor (benannt nach dessen Initiator, dem US-Wirtschaftspolitiker Bernard M. Baruch), demzufolge Atomenergie und Atomwaffen internationaler Kontrolle (UN-Kontrolle) unterstellt werden sollten. Die Sowjetunion bestand demgegenüber auf der Vernichtung der bestehenden Atomwaffen vor oder spätestens bei In-Kraft-Treten der internationalen Kontrolle. Am Ende scheiterten beide Vorschläge. 1946 ging in den USA die Zuständigkeit für Atomangelegenheiten vom Militär auf die zivile Atomenergiebehörde über. Das Nationale Sicherheitsgesetz von 1947 führte die US-Streitkräfte unter einem Verteidigungsminister und dem Vereinigten Generalstab zusammen. Mit dem Gesetz wurde auch der Nationale Sicherheitsrat zur Ausarbeitung und Steuerung der US-Verteidigungspolitik eingesetzt sowie der Geheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) zur Sammlung und Auswertung strategischer Informationen aus dem Ausland.

Der Kalte Krieg – Containment

Seit 1946 verfolgten die USA nach außen die Politik des Containments, durch die die mutmaßliche oder tatsächliche ideologisch-politische Expansion der Sowjetunion eingedämmt werden sollte. Im März 1947 verkündete Präsident Truman im Rahmen der Containment-Politik und vor dem Hintergrund des Griechischen Bürgerkrieges die so genannte Truman-Doktrin, in der er allen „freien Völkern” die Unterstützung der USA gegen Druck von außen zusagte und mit der er vor allem die strategisch wichtigen Staaten Griechenland und die Türkei meinte, die er von der Sowjetunion bedroht sah. Die wichtigste, die Containment-Politik flankierende Maßnahme war der Marshallplan von 1947, in dessen Rahmen mit umfangreicher finanzieller und materieller Unterstützung seitens der USA der wirtschaftliche Wiederaufbau Westeuropas forciert wurde. Ebenfalls 1947 weiteten die USA ihre Containment-Politik auf die gesamte westliche Hemisphäre aus: Mit 17 weiteren Staaten des amerikanischen Kontinents schlossen die USA den Rio-Pakt zur gegenseitigen Verteidigung und Unterstützung im Fall einer Aggression durch einen amerikanischen oder nichtamerikanischen Staat. 1948 beteiligten sich die USA an der Gründung der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS), die u. a. Streitigkeiten zwischen amerikanischen Staaten beilegen sollte.

Der Kalte Krieg – Berliner Blockade

Die UdSSR antwortete auf die Truman-Doktrin und den Marshallplan u. a. 1947 mit der Gründung einer neuen Kommunistischen Internationale, der Kominform, die die Sowjetunion vor allem als außenpolitisches Instrument nutzte, um die mittel- und osteuropäischen Staaten ihres Einflussbereiches unter ihre Kontrolle zu bringen. Ebenfalls 1947 waren in Deutschland die Britische und die Amerikanische Besatzungszone zur Bizone zusammengelegt worden. Im Juni 1948 verabschiedeten in London die drei westlichen Siegermächte sowie die Beneluxstaaten die so genannten Londoner Empfehlungen, in denen sie die Errichtung eines föderalistischen deutschen Staates auf dem Boden der westlichen Besatzungszonen anrieten. In Reaktion auf diese Übertretung der Beschlüsse von Jalta und Potsdam verließ die Sowjetunion den Alliierten Kontrollrat und leitete Schritte zur Gründung eines von der Sowjetunion abhängigen ostdeutschen Staates auf dem Boden der Sowjetischen Besatzungszone ein. Die sukzessive zunehmenden Spannungen eskalierten, als die drei Westmächte am 20./21. Juni 1948 in ihren Besatzungszonen und in ihren Sektoren des gemeinsam verwalteten Berlins die Währungsreform durchführten.

In Reaktion auf die Währungsreform unterbrach die Sowjetunion am 24. Juni 1948 den gesamten Personen- und Güterverkehr von und nach Westberlin (Berliner Blockade), um die Westmächte zumindest zur Rücknahme der Währungsreform in Berlin zu zwingen. Die britischen und amerikanischen Besatzungsbehörden bauten daraufhin ein Lufttransportsystem zur Versorgung der Westsektoren Berlins auf, die Berliner Luftbrücke. Am 12. Mai 1949 beendete die Sowjetunion offiziell die Blockade, ohne ihr Ziel erreicht zu haben. Unterdessen hatte in den drei Westzonen der Parlamentarische Rat auf der Grundlage der von den Westmächten gebilligten Frankfurter Dokumente das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verabschiedet. Im April 1949 hatten die USA, Kanada und zehn weitere westliche Staaten einen Sicherheits- und Beistandspakt unterzeichnet und damit die NATO ins Leben gerufen.

Der Kalte Krieg – Trumans Wiederwahl

Trumans innenpolitische Initiativen richteten sich auf die Bürgerrechtsgesetzgebung einschließlich Gesetzen gegen Lynchmorde und für die Abschaffung der Wahlsteuer, die vor allem die Schwarzen benachteiligte. Zudem erließ die Regierung Truman ein Gesetz, das zur Aufhebung der Rassentrennung in den US-Streitkräften führte. Diese Maßnahmen hatten zur Folge, dass ihm die Unterstützung der Südstaaten weitestgehend verwehrt blieb. Dennoch gewann er 1948 die Präsidentschaftswahlen und leitete ein umfassendes Gesetzeswerk ein, den so genannten Fair Deal, durch den die sozialen Reformen, die Roosevelt im New Deal umgesetzt hatte, weitergeführt wurden.

Der Kalte Krieg – Volksrepublik China

1951 beendete der Friede von San Francisco formell den Kriegszustand zwischen den USA und Japan. Unmittelbar nach dem Friedensschluss unterzeichneten beide Staaten den Japanisch-Amerikanischen Sicherheitsvertrag, der sie zu engen Verbündeten machte. China jedoch war als Bündnispartner bzw. Einflussbereich für die USA „verloren”: Im Chinesischen Bürgerkrieg (siehe Chinesische Revolution) hatten sich die Kommunisten unter Mao Tse-tung mit sowjetischer Hilfe 1949 schließlich gegen die Nationalchinesen unter Chiang Kai-shek durchsetzen können; Vermittlungsversuche der USA zwischen den Bürgerkriegsparteien waren erfolglos geblieben. Mao rief die Volksrepublik China aus; Chiang Kai-shek musste sich mit seinen Truppen nach Taiwan zurückziehen. Diese Entwicklung in China zog eine scharfe Kontroverse in den USA nach sich: Kritiker beschuldigten die Regierung Truman, Chiang Kai-shek gegen die Kommunisten nicht hinreichend unterstützt zu haben. Zusätzliche Unruhe entstand in der Öffentlichkeit im Oktober 1949, als Truman bekannt gab, dass die UdSSR eine Atombombe entwickelt und damit das US-Atommonopol beendet habe.

Der Kalte Krieg – Der Koreakrieg

In Korea, das nach dem 2. Weltkrieg in zwei Einflusssphären aufgeteilt worden war, bauten die USA ihre Stellung im autoritär regierten Süden (siehe Südkorea) gegen den kommunistischen, von der Sowjetunion unterstützten Norden (siehe Nordkorea) nachhaltig aus. 1950 lösten nordkoreanische Truppen den Koreakrieg aus, als sie die Demarkationslinie am 38. Breitengrad überschritten und im Süden einmarschierten; die USA reagierten mit einem massiven militärischen Gegenschlag. Zuvor hatten die UN auf Betreiben der USA (und unter Abwesenheit der sowjetischen Vertreter) den Militäreinsatz formell beschlossen. Die UN/US-Truppen schlugen den nordkoreanischen Angriff zurück und drangen schließlich bis zur nordkoreanisch-chinesischen Grenze vor, mussten aber wenig später vor den nordkoreanischen, von China unterstützten Truppen wieder bis über den 38. Breitengrad nach Süden zurückweichen. Die folgenden Waffenstillstandsverhandlungen, die im Juli 1953 beendet wurden, bestätigten den Vorkriegsstatus, d. h. die Teilung des Landes etwa entlang des 38. Breitengrades. Die USA waren mit ihrem Versuch, die Expansion des Kommunismus in Asien aufzuhalten, gescheitert.

Der Kalte Krieg – Die McCarthy-Ära

Eine Folge des Koreakrieges in den USA war, dass sich die schon bestehende Furcht vor einer Unterwanderung aller Bereiche von Staat und Gesellschaft durch Kommunisten nahezu zur Hysterie steigerte. Bereits in den dreißiger Jahren war zur Untersuchung und Verfolgung staatsfeindlicher Aktivitäten der Senatsausschuss für unamerikanische Umtriebe eingerichtet worden; aber erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges konzentrierte er seine Arbeit fast ausschließlich auf mutmaßliche und tatsächliche Kommunisten und ähnliche „subversive” Elemente. Erste, breites Aufsehen erregende Entscheidung des Senatsausschusses war 1948 die Aburteilung und Inhaftierung der so genannten Hollywood Ten.

Seinen zweifelhaften Höhepunkt erlebte der Senatsausschuss unter Joseph R. McCarthy, der mit seinen großenteils überzogenen und haltlosen Verdächtigungen und Anschuldigungen gegen zahlreiche Personen aus Verwaltung und öffentlichem Leben die antikommunistische Grundstimmung in der Bevölkerung drastisch anheizte und ein Klima der gegenseitigen Verdächtigungen und Denunziationen schuf (siehe McCarthyism). Die hysterische Verfolgungswelle weitete sich bald auch auf andere Personengruppen aus: auf Juden, Schwarze und nahezu jede Art von Intellektuellen. Zahlreiche Künstler, vor allem auch Filmschaffende, fanden sich auf „schwarzen Listen” wieder, sahen sich in ihrer Arbeit behindert und verließen teilweise das Land.

Der Kalte Krieg – Präsident Eisenhower (1953-1961)

Im Juli 1952 nominierte die Republikanische Partei General Dwight D. Eisenhower zu ihrem Präsidentschafts-, Senator Richard M. Nixon aus Kalifornien zum Vizepräsidentschaftskandidaten; die Präsidentschaftswahlen gewann Eisenhower mit überwältigender Mehrheit, und bei den Wahlen 1956 konnte er seinen Vorsprung sogar noch weiter ausbauen. Anders als Roosevelt und Truman zielte Eisenhower auf eine Zurücknahme der staatlichen Intervention in Wirtschaft und Gesellschaft bei gleichzeitiger Stärkung lokaler Gestaltungsräume für Regierungs- und Verwaltungsangelegenheiten. Darüber hinaus senkte die Regierung Eisenhower die Steuern und die Bundesausgaben. Sozialreformen in nennenswertem Umfang wurden während Eisenhowers Präsidentschaft nicht durchgeführt.

Der Kalte Krieg – Die Bürgerrechtsbewegung

Das drängendste innenpolitische Problem jener Zeit war der Kampf der Afroamerikaner gegen die Rassentrennung und für die Durchsetzung ihrer vollen Bürgerrechte. Die Regierung Eisenhower schloss zwar die Aufhebung der Rassentrennung in Verwaltung und Streitkräften erfolgreich ab, war aber nicht zu weiter gehenden Gesetzen bereit. Die Schwarzen unter Führung der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) wandten sich im Kampf für ihre Rechte und gegen ihre Diskriminierung in zunehmendem Maß an die Gerichte. Am 17. Mai 1954 erklärte der Oberste Gerichtshof der USA unter Vorsitz von Earl Warren im Fall „Brown gegen Schulbehörde von Topeka” die Rassentrennung in öffentlichen Schulen für gesetzeswidrig. Folgeentscheidungen der Jahre 1955/56 wiesen die lokalen Behörden und Institutionen an, Pläne zum Abbau der Rassentrennung auszuarbeiten, und sie beendeten die Rassentrennung beim öffentlichen Personenverkehr.

Einige Südstaaten der USA versuchten, diese Bestimmungen zu umgehen. Im September 1957 etwa wies der Gouverneur von Arkansas Einheiten der Nationalgarde an, neun schwarze Schüler am Betreten der Central High School von Little Rock zu hindern. Nach Angriffen Weißer auf schwarze Schüler und Erwachsene entsandte Eisenhower Bundestruppen in die Stadt zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung sowie zum Schutz der schwarzen Schüler beim Unterricht.

Unterdessen hatten sich zahlreiche Schwarze in der Bürgerrechtsbewegung organisiert. Im Dezember 1955 initiierte Martin Luther King jun. in Montgomery (Alabama) einen Boykott des öffentlichen Nahverkehrs, durch den die Aufhebung der Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht wurde. In der Folgezeit protestierten überall in den Südstaaten zahlreiche Schwarze in Form von später so genannten Sit-ins für die Aufhebung der Rassentrennung in Gaststätten und anderen öffentlichen Einrichtungen. Eine ganze Reihe von Organisationen wie etwa die Southern Christian Leadership Conference, der Congress of Racial Equality und das Student Nonviolent Coordinating Committee und Einzelpersonen wie Malcolm X, Ralph Abernathy und Rosa Parks engagierten sich nachdrücklich für die Gleichstellung der Afroamerikaner. 1957 verabschiedete der Kongress schließlich den Civil Rights Act (siehe Civil Rights), der die Schwarzen in vielen Belangen den Weißen gleichstellte und ihre Diskriminierung untersagte.

Der Kalte Krieg – Außenpolitik (1953-1961)

Die Außenpolitik vertraute Eisenhower weitgehend seinem Außenminister John Foster Dulles an. Unter Dulles setzte sich die schon vorher verbreitete Überzeugung endgültig durch, dass die Politik des Containment im Kampf gegen den Kommunismus zu passiv sei, den kommunistischen Staaten, allen voran der Sowjetunion und China, vielmehr mit einer Strategie der „aktiven Zurückdrängung”, des Roll back, begegnet werden müsse. Diese Strategie schloss u. a. den Abbau konventioneller Streitkräfte und den massiven Ausbau das Atomwaffenarsenals ein. 1952 zündeten die USA ihre erste Wasserstoffbombe, die UdSSR folgte sechs Monate später. In der Folgezeit konzentrierten sich beide Mächte über die Entwicklung von Nuklearwaffen hinaus auf die Perfektionierung der Trägersysteme für diese Waffen. Neue Langstreckenraketen wurden entwickelt, und ab 1957 verfügten beide Staaten über einsatzbereite Interkontinentalraketen. Das Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion, das sich über den gesamten Kalten Krieg erstreckte, nahm extreme Ausmaße an.

Der Kalte Krieg – Außenpolitik (1953-1961) – Entwicklungen in Südostasien

Nach dem Koreakrieg erhöhte Eisenhower im Indochinakrieg die Militär- und Wirtschaftshilfe an Frankreich, wies aber Dulles’ Empfehlungen, den Franzosen im Kampf gegen die kommunistische Vietminh taktische Nuklearwaffen und US-Truppen zur Verfügung zu stellen, klar zurück. Der Waffenstillstand, der 1954 den Indochinakrieg beendete, teilte Vietnam in einen kommunistischen Staat im Norden und einen von den USA im Rahmen des Roll back gestützten, zunehmend autoritär regierten Staat im Süden – womit in Südostasien neues Konfliktpotential entstanden war.

1954 wurde auf Betreiben Dulles’ das Verteidigungsbündnis SEATO gegründet, dem neben den USA Großbritannien, Frankreich, Australien, Neuseeland, die Philippinen, Thailand und Pakistan angehörten. In Reaktion auf den Rückschlag in Indochina bauten die USA nun auch ihre Beziehungen zu Nationalchina (Taiwan) aus. Im Januar 1955 erteilte der Kongress die prinzipielle Zustimmung für eine Verteidigung Taiwans durch US-Streitkräfte im Krisenfall.

Der Kalte Krieg – Außenpolitik (1953-1961) – Entwicklungen in Europa

Nach dem Tod Stalins 1953 folgte eine Zeit der Entspannung. Ein wichtiges Ergebnis dieser Entspannungsphase war die Ost-West-Übereinkunft über Österreich, das 1955 im Österreichischen Staatsvertrag die volle Souveränität unter Wahrung der Neutralität zurückerhielt; die sowjetischen und westalliierten Besatzungstruppen wurden aus Österreich abgezogen. Einen ähnlichen Vorschlag der Sowjetunion für Deutschland wiesen die USA zurück. Auch bei einer Gipfelkonferenz Eisenhowers mit den anderen drei Siegermächten des 2. Weltkrieges wurde über Fragen einer Wiedervereinigung Deutschlands und der Abrüstung keine Annäherung erzielt. Nach Nikita S. Chruschtschows Abrechnung mit Stalin kam es im Sommer/Herbst 1956 in Polen und Ungarn zu Aufständen gegen das stalinistische Regime; Chruschtschow ließ den Ungarischen Volksaufstand durch sowjetische Truppen niederschlagen. Die USA verurteilten diese Maßnahme, unternahmen jedoch keinen Versuch einer direkten Intervention.

Der Kalte Krieg – Außenpolitik (1953-1961) – Wettlauf im Weltraum

Am 4. Oktober 1957 startete die UdSSR einen Erdsatelliten, den Sputnik I; kurz darauf folgte ein zweiter sowjetischer Satellit mit einem lebenden Hund an Bord. Daraufhin intensivierten die USA ihr Weltraumprogramm, und im Januar 1958 starteten sie ihren ersten Erdsatelliten, den Explorer 1. Auch im Weltraum setzte nun der Wettlauf zwischen den beiden Großmächten ein.

Der Kalte Krieg – Außenpolitik (1953-1961) – Zunehmende Spannungen

Am 1. Mai 1960 wurde ein amerikanisches U-2-Spionageflugzeug über der Sowjetunion abgeschossen. Zwei Wochen später forderte Chruschtschow auf einem Ost-West-Gipfeltreffen in Paris von Eisenhower eine offizielle Entschuldigung für diese Verletzung sowjetischen Luftraumes. Eisenhower weigerte sich und wies auch die ultimative Forderung Chruschtschows nach Einstellung sämtlicher Spionageflüge über der Sowjetunion zurück. Die Konferenz wurde abgebrochen, das Verhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion verschlechterte sich zusehends.

In Kuba stürzte 1959 eine Revolution unter der Führung Fidel Castros das korrupte Regime unter Fulgencio Batista. Castro errichtete ein sozialistisches System nach sowjetischem Vorbild und lehnte sich wirtschaftlich und politisch eng an die Sowjetunion an. 1961 brachen die USA die diplomatischen Beziehungen zu Kuba ab, nachdem sie das Land zuvor schon mit einem Wirtschaftsboykott belegt hatten.

Der Kalte Krieg – Präsident Kennedy (1961-1963)

Im Juli 1960 nominierte die Demokratische Partei Senator John F. Kennedy aus Massachusetts zu ihrem Präsidentschafts- und Lyndon B. Johnson zum Vizepräsidentschaftskandidaten. Die Republikaner nominierten den amtierenden Vizepräsidenten Nixon zum Präsidentschaftskandidaten und Botschafter Henry Cabot Lodge für den Posten des Vizepräsidenten. Höhepunkte des Wahlkampfes waren eine Reihe von Fernsehdebatten zwischen den beiden Spitzenkandidaten. Kennedy gewann die Wahl knapp; mit 43 Jahren war er der jüngste Präsident der amerikanischen Geschichte, und er war der erste Katholik im Präsidentenamt. Mit seiner Vision vom Aufbruch zu neuen Grenzen mobilisierte er vor allem die Jugend.

Der Kalte Krieg – Präsident Kennedy (1961-1963) – Bürgerrechtsaktivitäten

Der Kampf um die Bürgerrechte war eines der wichtigsten Entscheidungsfelder der Regierung Kennedy. Der Bruder des Präsidenten, US-Justizminister Robert F. Kennedy, trat mit großem Nachdruck für ein bundesweites, endgültiges Ende der Rassentrennung in Schulen und für den Schutz des Wahlrechtes von Minderheiten ein. Ein schwerwiegender Vorfall ereignete sich im Herbst 1962, als der Versuch des schwarzen Studenten James Meredith, sich an der Universität Mississippi einzuschreiben, zu Rassenunruhen auf dem Campus führte. Zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung ließ Kennedy die Nationalgarde von Mississippi unter Bundesbefehl stellen und über den Campus patrouillieren. Zudem entsandte Kennedy – gegen den aktiven Widerstand von Gouverneur George C. Wallace – zusätzlich Bundesvollzugsbeamte zur Durchsetzung der Aufhebung der Rassentrennung an der Universität Alabama.

Höhepunkt der Welle von Demonstrationen, in denen sich Schwarze wie Weiße nun gegen Gewalt und Diskriminierung engagierten, war die Demonstration von über 250 000 Menschen am 28. August 1963 in Washington D.C. Martin Luther King wandte sich hier mit seiner berühmten Rede „I have a dream …” an die Menge. Auch in Reaktion auf diese Demonstration forcierte Präsident Kennedy nun eine umfassende Bürgerrechtsgesetzgebung mit dem Verbot von Diskriminierung bei Wahlen, im Bildungswesen, im Arbeitsleben und in öffentlichen Einrichtungen. Die Gesetzgebung verzögerte sich im Kongress allerdings bis 1963.

Der Kalte Krieg – Präsident Kennedy (1961-1963) – Außenpolitik

Außenpolitisch versuchte Kennedy die Umsetzung einer neuen Position gegenüber den kommunistischen Staaten. Mit Unterstützung seines Verteidigungsministers Robert S. McNamara ersetzte Kennedy die bisherige Strategie der „aktiven Zurückdrängung” durch seine neue Politik der „flexiblen Reaktion”. Im April 1961 initiierte die CIA mit Kennedys Rückendeckung die Invasion in der Schweinebucht zum Sturz der Regierung Castro in Kuba; die Aktion scheiterte jedoch. Im Sommer 1961 verschärfte sich erneut der Konflikt mit der UdSSR, als die DDR die Berliner Mauer errichtete, die den Westen Berlins hermetisch vom Osten der Stadt und dem Staatsgebiet der DDR abriegelte. Und 1962 brachte die Kubakrise die USA und die Sowjetunion an den Rand eines atomaren Schlagabtausches. Beide Seiten rüsteten nun ihre Atomwaffenarsenale massiv auf.

Der Kalte Krieg – Präsident Kennedy (1961-1963) – Atomteststopp

Nach der Kubakrise und angesichts der sich verschlechternden Beziehungen zwischen der UdSSR und der Volksrepublik China schlossen sich die USA der sowjetischen Initiative für eine weltweite Entspannung und für Rüstungskontrolle an. Am 5. August 1963 schlossen die USA, Großbritannien und die UdSSR ein Atomteststopp-Abkommen, das Versuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser untersagte; unterirdische Tests blieben erlaubt. Das Abkommen war als Schritt zur Entspannung zwischen den beiden Großmächten USA und Sowjetunion gedacht.

Der Kalte Krieg – Der Vietnamkrieg

Während sich die Beziehungen der USA zur UdSSR verbesserten, verschlechterte sich die Lage in Südostasien. In Südvietnam sah sich das unpopuläre Regime unter Ngo Dinh Diem zunehmendem Druck seitens des Vietcong ausgesetzt, woraufhin Kennedy die Militärhilfe für den Süden deutlich aufstockte. Am 1. November 1963 wurde das Regime Diem mit Wissen und Billigung der USA gestürzt und Diem hingerichtet. Unter Kennedy verstärkte die USA ihr Engagement in Südvietnam erheblich.

Am 22. November 1963 wurde Kennedy in Dallas (Texas) ermordet. Als mutmaßlicher Attentäter wurde Lee Harvey Oswald festgenommen, der kurz darauf seinerseits einem Lynchmord zum Opfer fiel. Amtsnachfolger wurde der bisherige Vizepräsident Lyndon B. Johnson (1963-1969). Da die teilweise mysteriösen Umstände des Attentats Zweifel und Gerüchte über eine mögliche Verschwörung entstehen ließen, setzte Präsident Johnson einen Ausschuss unter Leitung des Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofes der USA, Earl Warren, zur Untersuchung des Kennedy-Mordes ein. In seinem Abschlussbericht, dem Warren-Report, kam der Ausschuss zu dem Ergebnis der Einzeltäterschaft Oswalds.

Am 27. November 1963 hielt Johnson seine erste Rede als US-Präsident vor dem Kongress, erklärte, die von Kennedy eingeschlagene Außenpolitik fortsetzen zu wollen, und forderte zur zügigen Verabschiedung der von Kennedy eingebrachten Bürgerrechts- und Steuergesetze auf.

Am 7. August 1964 erhielt Johnson vom Kongress praktisch die Generalvollmacht für die Kriegsführung gegen Nordvietnam, nachdem wenige Tage zuvor nach dem so genannten Tonking-Zwischenfall die Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden zum Vietnamkrieg eskaliert waren. Bis zum Ende seiner Amtszeit erhöhte Johnson – entgegen seinem Wahlversprechen – die amerikanische Präsenz in Vietnam von 17 000 auf über eine halbe Million Mann und ließ ab 1965 den Norden systematisch bombardieren. Trotz des gewaltigen Einsatzes blieb der erhoffte rasche Sieg in weiter Ferne, und mit dem zunehmenden, offensichtlich aussichtslosen und stark umstrittenen Engagement der USA in Vietnam wuchs die inneramerikanische, vor allem von Jugendlichen und Studenten getragene Opposition zum Krieg und zum Präsidenten. Angesichts dieser Situation erklärte Johnson im März 1968 seinen Verzicht auf eine weitere Amtsperiode und kündigte zugleich den einseitigen Rückzug aus Vietnam an. Im Mai nahm er in Paris Friedensverhandlungen mit Nordvietnam auf.

Der Kalte Krieg – Weitere außenpolitische Krisen

Neben dem Vietnamkrieg sahen sich die USA in den sechziger Jahren mit einer Reihe weiterer außenpolitischer Krisen konfrontiert. Um die Kontrolle des Panamákanals entstand zwischen den USA und Panamá ein ernsthafter Konflikt, und nach antiamerikanischen Ausschreitungen in Panamá wurde ein neuer Nutzungsvertrag ausgehandelt. 1965 entsandte Johnson angesichts eines drohenden Bürgerkrieges in der Dominikanischen Republik 22 000 US-Soldaten zum Schutz dort lebender amerikanischer Staatsbürger und zur Verhinderung einer kommunistischen Machtübernahme. Diese Intervention sorgte weltweit für eine Zunahme der antiamerikanischen Stimmung und zog auch innerhalb der USA viel Kritik nach sich. Im Sechstagekrieg im Juni 1967 zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn einigte sich Johnson indessen mit dem sowjetischen Regierungschef Aleksej N. Kossygin darauf, von einem Eingreifen in den arabisch-israelischen Konflikt abzusehen. Aber die USA erhöhten ihre Militärhilfe für Israel in Reaktion auf die sowjetische Unterstützung für einige arabische Staaten und den wachsenden sowjetischen Einfluss im Mittelmeerraum.

Der Kalte Krieg – Präsident Nixon (1969-1974)

Die letzten Monate der Amtszeit Johnsons wurden von einer Reihe innenpolitischer Ereignisse überschattet. Der Ermordung Martin Luther Kings in Memphis (Tennessee) am 4. April 1968 folgte eine neue Welle schwerer Rassenkrawalle in Washington D.C. und einer Reihe anderer Städte. Am 5. Juni 1968 fiel Robert Kennedy, der sich um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten bemühte, nach einer Wahlveranstaltung einem Attentat zum Opfer.

Die innenpolitische Linie des neuen Präsidenten Richard M. Nixon entsprach der Eisenhowers. Unter dem Motto „neuer Föderalismus” suchte er die Zuständigkeiten der Bundesregierung einzuschränken, während die einzelstaatlichen und lokalen Entscheidungsinstanzen gestärkt werden sollten. Zur Bekämpfung der Inflation, die in den sechziger Jahren deutlich gestiegen war, setzte Nixon auf die Begrenzung der Bundesausgaben, lehnte Lohn- und Preiskontrollen jedoch vorerst ab.

Das US-Weltraumprogramm hatte zu dieser Zeit einige große Erfolge vorzuweisen. Besonders zu erwähnen ist die Mondlandung der Besatzung von Apollo 11 am 20. Juli 1969.

Die breite Opposition gegen den Vietnamkrieg artikulierte sich in vielfältigen Protesten, die oft in direkte Konfrontationen zwischen Demonstranten – häufig College-Studenten – und der Nationalgarde mündeten. Bei einer Demonstration von Studenten der Kent State University (Ohio) im Mai 1970 z. B. wurden vier Studenten von Nationalgardisten erschossen. Die Studentenstreiks und -demonstrationen weiteten sich schließlich auf nahezu alle Hochschulen der USA aus; zeitweise wurden nun die Universitäten ganz geschlossen.

Der Kalte Krieg – Präsident Nixon (1969-1974) – Außenpolitik

Nixon hatte die Absicht, durch eine „Vietnamisierung” des Krieges die USA allmählich aus Vietnam zurückzuziehen, d. h, er wollte die US-Truppen durch südvietnamesische Verbände ersetzen, die von den USA ausgebildet und ausgerüstet werden sollten.

Die Beziehungen zur UdSSR verbesserten sich sukzessive. Die Verhandlungen zur Begrenzung strategischer Waffen (SALT: Strategic Arms Limitation Talks) hatten 1969 begonnen und dauerten bis 1972. Bei Nixons Staatsbesuch in Moskau im Mai 1972 konnten zwei amerikanisch-sowjetische Verträge unterzeichnet werden. Ein Vertrag begrenzte Abwehrsysteme gegen Raketen, der andere offensive Trägersysteme. Bereits im November 1969 hatten die USA einen Vertrag über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen unterzeichnet, am 11. Februar 1971 über das Verbot solcher Waffen sowie von deren Tests auf dem Meeresboden. Im September 1971 unterzeichneten Frankreich, Großbritannien, die USA und die UdSSR das Viermächteabkommen über Berlin, das u. a. den ungehinderten Zugang nach Westberlin garantierte. Im Juli 1971 entsandte Nixon seinen Sicherheitsberater, Henry A. Kissinger, in geheimer Mission nach Peking zur Vorbereitung eines Gipfeltreffens mit der chinesischen Führung. Im Februar 1972 reiste Nixon selbst nach Peking; sein Besuch in China führte zur Aufnahme diplomatischer Kontakte und in deren Folge u. a. zu kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen.

Die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen erlitten im Oktober 1973 während des israelisch-arabischen Jom-Kippur-Krieges einen neuerlichen Rückschlag, da Moskau die arabischen Länder und Washington Israel unterstützte. Beide Großmächte arbeiteten jedoch bei der Aushandlung von Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und Ägypten sowie zwischen Israel und Syrien zusammen.

Im Januar 1973 beendeten die USA, Südvietnam und Nordvietnam durch ein Waffenstillstandsabkommen den Vietnamkrieg, und zwei Monate später hatten die USA alle ihre Truppen aus Vietnam abgezogen. Vorausgegangen waren verschiedene Initiativen und Friedenspläne seitens der USA; den Durchbruch hatten schließlich die Verhandlungen zwischen dem amerikanischen Sicherheitsberater Kissinger und dem nordvietnamesischen Unterhändler Le Duc Tho ab dem Herbst 1972 erbracht.

Der Kalte Krieg – Präsident Nixon (1969-1974) – Die Pentagon-Papiere

Im Juni 1971 entzündete sich an der Veröffentlichung der Pentagon-Papiere eine scharfe Auseinandersetzung zwischen der Regierung und einigen großen Zeitungen über die Pressefreiheit. Die Pentagon-Papiere, Auszüge aus einem Geheimdokument des Verteidigungsministeriums, gaben Aufschluss über das Engagement der USA in Vietnam im Vorfeld ihres aktiven militärischen Eingreifens in den Krieg. Die von der Regierung eingereichten einstweiligen Verfügungen gegen die Veröffentlichung der Papiere wurden zur Berufung an den Obersten Gerichtshof der USA verwiesen. Die Richter entschieden mit sechs zu drei Stimmen, dass die Regierung nicht befugt sei, die Veröffentlichung irgendeiner Information zu verhindern. Allerdings wurde umgehend gegen Daniel Ellsberg, einen ehemaligen Zivilangestellten des Verteidigungsministeriums, ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Spionagegesetz und wegen Diebstahls von Regierungseigentum eingeleitet.

Der Kalte Krieg – Watergate und die Folgen

Kurz nach der Wiederwahl Präsident Nixons – er hatte sich gegen den Demokraten George S. McGovern durchgesetzt – tauchten in rascher Folge immer neue Verdachtsmomente und Beweise für die Beteiligung hoher Beamter und enger Mitarbeiter Nixons an dem Einbruch bzw. dessen Vorbereitung und der versuchten Installation einer Abhöranlage im Wahlkampfhauptquartier der Demokratischen Partei im Watergate-Gebäudekomplex (Washington D.C.) auf. Die Watergate-Affäre bestimmte nun zunehmend die innenpolitische Auseinandersetzung und das innenpolitische Klima und führte zu einem erheblichen Vertrauensverlust der Bevölkerung gegenüber der politischen Klasse, insbesondere der Republikanischen Partei.

Ab dem Frühjahr 1973 tauchten immer mehr Beweise dafür auf, dass auch Nixon selbst in die Planung des Watergate-Einbruchs und den anschließenden Vertuschungsversuch verwickelt war. Als Anfang August 1974 die Mittäterschaft des Präsidenten schließlich eindeutig bewiesen werden konnte, trat Nixon am 9. August zurück und kam so einem Impeachment-Verfahren zuvor. Schon am 10. Oktober 1973 war Vizepräsident Agnew zurückgetreten, nachdem gegen ihn ein Verfahren wegen Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung eröffnet worden war. Im Dezember 1973 hatte Gerald R. Ford die Nachfolge Agnews als Vizepräsident angetreten, und nun, im August 1974, folgte er Nixon im Amt des Präsidenten. Ford war der erste Präsident in der amerikanischen Geschichte, der weder in das Amt des Vizepräsidenten noch in das des Präsidenten gewählt worden war. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Präsidenten war die Amnestie seines Vorgängers für jede etwaige Straftat, die dieser im Amt begangen haben könnte. Im Dezember 1974 wurde Nelson A. Rockefeller als 41. Vizepräsident vom Kongress bestätigt.

Der Kalte Krieg – Präsident Ford (1974-1977)

Die weltweite Rezession der siebziger Jahre vertiefte sich, die USA hatten die höchste Arbeitslosigkeit und Inflation seit Jahrzehnten. 1973/74 hatte die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ihre Erdölförderung drastisch reduziert, um im Nahostkonflikt politischen Druck auszuüben. Infolgedessen vervielfachte sich der Ölpreis binnen kurzer Zeit, was die internationale Wirtschaftskrise verschärfte. Ab 1975 erholten sich die USA allmählich wieder aus der Rezession. Das Wiederaufflammen der Kriege in Vietnam und Kambodscha, in deren Folge jeweils kommunistische Kräfte die Macht übernahmen, und der zeitgleiche Rückzug der USA aus Südostasien im Frühjahr 1975 hatten das Vertrauen in die Stärke der USA und deren Verlässlichkeit als Bündnispartner geschwächt.

Der Kalte Krieg – Präsident Carter (1977-1981)

1976 setze sich bei den Präsidentschaftswahlen der demokratische Kandidat Jimmy Carter gegen den Amtsinhaber Ford durch.

Außenpolitisch stand für Carter die Durchsetzung der Menschenrechte im Vordergrund, was zu neuerlichen Spannungen im Verhältnis zur Sowjetunion führte, sowie die Entspannungs- und Abrüstungspolitik. 1977 handelte er zwei Verträge mit Panamá aus, die den Panamákanal ab dem Jahr 2000 der Kontrolle Panamás unterstellten. Im September 1978 gelang es Carter in Camp David (bei Washington D.C.), die Rahmenbedingungen für einen Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten zu vermitteln, der im März 1979 schließlich in seiner endgültigen Form unterzeichnet werden konnte. Im Januar 1979 hatten die USA zudem volle diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China aufgenommen.

Der Kalte Krieg – Präsident Carter (1977-1981) – Die Geiselkrise

Nachdem Carter dem gestürzten Schah von Persien die Einreise in die USA gestattet hatte, stürmte im November 1979 eine Gruppe iranischer Revolutionäre die US-Botschaft in Teheran und nahm die Botschaftsangehörigen als Geiseln. Im April 1980 ordnete Carter eine Befreiungsaktion aus der Luft an, die jedoch scheiterte.

Auf den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan 1979 reagierten die USA in vielfältiger Weise: Mit Handelsbeschränkungen, der Unterstützung der afghanischen Rebellen und der Verweigerung der Ratifizierung des SALT-II-Abkommens zur Begrenzung strategischer Waffen.

Der Kalte Krieg – Präsident Carter (1977-1981) – Die Wahl von 1980

Nach Carters parteiinternem Sieg über seinen Herausforderer Edward M. Kennedy erhielt er die Nominierung seiner Partei für die Präsidentschaftswahlen 1980. Die Republikaner nominierten den ehemaligen Filmschauspieler und Gouverneur von Kalifornien Ronald W. Reagan. Die Demokraten, von vielen für den wirtschaftlichen Niedergang und die noch bis zum Januar 1981 andauernde Geiselkrise im Iran verantwortlich gemacht, verloren in sämtlichen Landesteilen. Reagan und George Herbert Walker Bush, Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, erhielten 51 Prozent der Direktstimmen, Carter 41 Prozent. Nach annähernd 30 Jahren gewannen die Republikaner auch im Senat erstmals wieder eine Mehrheit.

Der Kalte Krieg – Präsident Reagan (1981-1989)

Reagan kündigte Steuersenkungen sowie eine Verringerung der Staatsausgaben an und setzte die Aufrüstung, mit der unter Carter begonnen worden war, mit Nachdruck fort. Noch 1981 beschloss der Kongress die größten Steuersenkungen der amerikanischen Geschichte. Die Ausgabensenkungen auf der anderen Seite betrafen vor allem die Wohlfahrt, den Sozialbereich sowie die Mittelbewilligung für die einzelstaatlichen Regierungen und Verwaltungen. Gleichzeitig wurden die Verteidigungsausgaben drastisch erhöht. Die anhaltende Rezession trieb 1981/82 die Arbeitslosenrate erstmals seit 1940 über die Zehnprozentmarke, die Zahl der Firmenbankrotte erreichte einen neuen Höhepunkt. Siehe auch Reagonomics

Außenpolitisch gingen Präsident Reagan und seine Außenminister (bis 1982 Alexander M. Haig jun., dann George P. Schultz) vom Kurs der Entspannung gegenüber der UdSSR ab und unterstützten weltweit praktisch jede Art antikommunistischer Bewegungen und Regierungen. Dieser neue außenpolitische Kurs war zudem gekennzeichnet durch nachdrückliche Demonstration der Stärke der Großmacht USA.

1982 entsandte Reagan US-Truppen in den Libanon, und im Oktober 1983 ordnete er die Invasion der Karibikinsel Grenada an. Unmittelbarer Anlass war die (vorgebliche) Rettung amerikanischer Medizinstudenten angesichts politischer Unruhen; die Regierung Reagan führte allerdings auch Hilfsgesuche benachbarter Regierungen als Begründung ins Feld. In Mittelamerika stützte Reagan die rechtsgerichtete Regierung in El Salvador und in Nicaragua die ebenfalls rechtsgerichteten Contras gegen die sozialistische Regierung. Als Reagan 1983 die – „Krieg der Sterne” genannte – Strategische Verteidigungsinitiative (SDI: Strategic Defense Initiative) vorstellte, verschlechterten sich die Beziehungen zur Sowjetunion weiter, die sich erst infolge der außen- wie innenpolitischen Neuorientierung der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow wieder verbesserten. Kurz vor den Präsidentschaftswahlen von 1984 signalisierte die Sowjetunion ihren Wunsch nach einer neuen Runde der Rüstungskontrollverhandlungen. Zwei Gipfeltreffen (November 1985, Oktober 1986) Reagans mit Gorbatschow leiteten nun eine spürbare Entspannung und Fortschritte in der Rüstungskontrolle ein; im Dezember 1987 unterzeichneten Reagan und Gorbatschow den INF-Vertrag zur Reduzierung der nuklearen Mittelstreckenraketen. Im April 1986 ließ Reagan einen schweren Luftangriff gegen Libyen als Vergeltung für terroristische Angriffe gegen Amerikaner fliegen.

Bei Teilwahlen zum Senat im November 1986 gewannen die Demokraten die Mehrheit zurück. Weiter geschwächt wurde die Regierung Reagan 1987 durch die anhaltenden Haushalts- und Handelsdefizite sowie durch die Untersuchungen im Kongress über illegale Waffenverkäufe an den Iran, deren Erträge den Contras in Nicaragua zukamen. Am 19. Oktober 1987 erlebte die New Yorker Börse einen der tiefsten Kursstürze ihrer Geschichte, als der Dow-Jones-Index um 508 Punkte bzw. 22,6 Prozent einbrach. Die Haushalts- und Handelsdefizite beliefen sich jährlich jeweils auf mehr als 100 Milliarden US-Dollar.

Bei den Präsidentschaftswahlen 1988 wurde George Bush als erster amtierender Vizepräsident seit Martin Van Buren 1836 zum Präsidenten gewählt.

Alleinige Weltmacht USA – Präsident Bush (1989-1993)

Zu den innenpolitischen Herausforderungen Bushs gehörten in erster Linie der Abbau der Haushalts- und Handelsdefizite sowie die Sanierung des insolventen Banken- und Kreditsystems. In Reaktion auf die rasanten politischen Veränderungen in Mittel- und Osteuropa bot Bush während seiner Besuche im Juli 1989 Polen und Ungarn Unterstützung an. Im Dezember besetzten über 24 000 US-Soldaten Panamá, um das Regime unter General Manuel Antonio Noriega zu stürzen und Noriega festzunehmen, dem dann in den USA wegen Drogenhandels und anderer Delikte der Prozess gemacht wurde. Auf zwei Gipfeltreffen im Dezember 1989 und Ende Mai/Anfang Juni 1990 kamen Bush und Gorbatschow überein, die Produktion von Chemiewaffen zu beenden und entsprechende Waffenlager abzubauen sowie die konventionelle Rüstung zu reduzieren. Und 1991 unterzeichneten Bush und Gorbatschow den START-I-Vertrag, der eine drastische Reduzierung nuklearer Gefechtsköpfe vorsah. Nach dem Fall der Berliner Mauer hatte Bush neben Gorbatschow 1990 auch wesentlichen Anteil am Zustandekommen des Zwei-plus-Vier-Vertrages, auf dessen Grundlage die Wiedervereinigung Deutschlands vollzogen wurde und der die volle Souveränität Deutschlands wiederherstellte.

Am Golfkrieg von 1991 nahmen unter UN-Mandat und US-Führung mehr als 500 000 US-Soldaten und verbündete Truppen teil. Nach dem Zerfall der UdSSR und dem damit einhergehenden Ende des Ost-West-Konfliktes 1990/91 konzentrierten sich die USA nun verstärkt auf eine Lösung des Nahostkonfliktes.

Im April 1992 kam es in Los Angeles erneut zum Ausbruch schwerer Rassenunruhen. Vier weiße Polizisten waren freigesprochen worden, die 13 Monate zuvor einen schwarzen Verdächtigen, Rodney King, brutal zusammengeschlagen hatten und dabei gefilmt worden waren. 58 Personen kamen bei den Unruhen um, der Sachschaden betrug über 750 Millionen US-Dollar. In einem Wiederaufnahmeverfahren wurden zwei der Polizisten schuldig gesprochen.

Bei den Präsidentschaftswahlen 1992 unterlag Bush seinem demokratischen Herausforderer Bill Clinton; zudem hielten die Demokraten ihre Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses. Im Dezember entsandte der noch amtierende Präsident Bush mehr als 20 000 US-Soldaten unter UN-Mandat nach Somalia, die den Frieden wiederherstellen und die hungernde Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgen sollten. Clinton als bereits gewählter Präsident unterstützte diese Aktion, ebenso die Unterzeichnung des Abrüstungsvertrags START II durch Bush und den russischen Präsidenten Boris Jelzin im Januar 1993.

Alleinige Weltmacht USA – Präsident Clinton (1993-2001)

In seinen ersten Amtsmonaten brachte Clinton zahlreiche innenpolitische Initiativen insbesondere in den Bereichen Sozial- und Gesundheitswesen ein. Seine Frau, Hillary Rodham Clinton, setzte er als Vorsitzende eines Sonderausschusses zur Reform von Krankenversicherung und Gesundheitswesen ein.

1993 ratifizierte der Kongress auf Betreiben Clintons das Abkommen zur Bildung der Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA: North American Free Trade Association), einen zunächst auf 15 Jahre begrenzten Vertrag zur Zollsenkung und Beseitigung anderer Handelshemmnisse zwischen den USA, Mexiko und Kanada. Die NAFTA trat am 1. Januar 1994 in Kraft. Ebenfalls 1993 verabschiedete der Kongress ein von Clinton initiiertes umfangreiches Gesetzespaket zur Verbrechensbekämpfung, für das 30 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt wurden. Eine Reihe von Sozialreformen, darunter auch die Gesundheitsreform, durch die eine vom Arbeitgeber mitfinanzierte Pflichtversicherung für alle Arbeitnehmer eingeführt werden sollte, scheiterten jedoch – insbesondere seit die Republikaner im November 1994 in beiden Häusern des Kongresses die Mehrheit erringen konnten. Zwar erlebten die USA ab 1993 ein deutliches Wirtschaftswachstum, so dass die Arbeitslosenzahlen markant zurückgingen, zugleich sanken allerdings die durchschnittlichen Stundenlöhne und damit die Durchschnittseinkommen, und die durchschnittlichen Arbeitszeiten erhöhten sich. Arbeitsplätze entstanden vor allem in den Niedrigstlohnsektoren.

Außenpolitisch setzte Clinton die Unterstützung des Reformkurses in Russland und in den Staaten des ehemaligen Ostblocks fort. Im Bosnisch-Kroatisch-Serbischen Krieg drängte er nachdrücklich auf Friedensverhandlungen zwischen den Krieg führenden Parteien, nahm jedoch Abstand von früheren Plänen zur direkten militärischen Intervention im ehemaligen Jugoslawien. Unter Clintons Vermittlung kam schließlich 1995 das Dayton-Abkommen zustande, durch den der Bürgerkrieg in Bosnien und Herzegowina beendet wurde. In Somalia dagegen war die amerikanische Intervention nicht erfolgreich; Anfang 1994 wurden die US-Truppen aus Somalia abgezogen.

Im Juli 1995, zwanzig Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges, nahmen die USA volle diplomatische Beziehungen zu Vietnam auf. Ein im März 1996 verabschiedetes Gesetz verfügte die Verschärfung des Handelsembargos gegen Kuba, und auch gegen den Iran und Libanon wurden schärfere Sanktionen beschlossen, nachdem beide Länder angeblich terroristische Aktivitäten unterstützt hatten.

Bei den Präsidentschaftswahlen am 5. November 1996 wurde der Amtsinhaber Bill Clinton mit überzeugender Mehrheit wieder gewählt. Er siegte mit 49,2 Prozent der abgegebenen Stimmen über seinen Gegenkandidaten Robert Dole (40,8 Prozent) von den Republikanern. Damit konnte Clinton seinen Vorsprung gegenüber 1992 noch deutlicher ausbauen. In den beiden Häusern des Kongresses hielten allerdings weiterhin die Republikaner die Mehrheiten. Die im Wahlkampf zugesagte engere Zusammenarbeit mit den Republikanern in der Außen- und Sicherheitspolitik setzte Clinton mit der Ernennung des Republikaners William Cohen zum Verteidigungsminister um. Eine weitere wichtige Kabinettsumbildung war die Ernennung Madeleine Albrights zur Außenministerin; in diesem Amt löste sie Warren Christopher ab.

Die Innenpolitik war geprägt von der Auseinandersetzung zwischen der Regierung Clinton und dem Kongress um Haushaltsfragen. Die verabschiedeten Maßnahmen trugen größtenteils Kompromisscharakter: Zwar konnten sich beide Seiten auf den vollständigen Abbau des Defizits im Staatshaushalt bis zum Jahr 2002 sowie auf Steuersenkungen einigen, die auch den Beziehern niedriger Einkommen zugute kamen, von Clintons Sozialprogrammen passierten jedoch nur Teile den Kongress. Das anhaltende Wirtschaftswachstum bescherte den USA einen Rückgang der Arbeitslosenquote auf deutlich unter 5 Prozent; die Arbeitsplätze entstanden allerdings weiterhin vor allem in den kaum mit Sozialleistungen verbundenen Niedriglohn- und schlecht bezahlten Teilzeitsektoren.

Außenpolitisch präsentierten sich die USA – auch dank ihrer stetig wachsenden wirtschaftlichen Macht – als die allein führende Weltmacht. Vordringlich bemühten sich Clinton und Außenministerin Albright um die Fortsetzung des Nahostfriedensprozesses (siehe Nahostkonflikt). Bereits 1993 war die Osloer Prinzipienerklärung (siehe auch Oslo-Verträge) zwischen Israel und den Palästinensern zustande gekommen; 1998 folgte das von Clinton vermittelte Wye-Abkommen; die Verhandlungen in Camp David im Juli 2000, die zu einem endgültigen Friedensschluss zwischen Israel, hier vertreten durch Ministerpräsident Ehud Barak, und den Palästinensern, vertreten durch Jasir Arafat, führen sollten, scheiterten jedoch trotz intensiver Vermittlungsbemühungen Clintons. Ähnlich nachdrücklich engagierte sich Clinton im nordirischen Friedensprozess (siehe Nordirland-Konflikt). Mit Russland einigten sich die USA 1997 auf weitere Abrüstungsmaßnahmen und auf die Aufnahme von START-III-Verhandlungen, deren erste Runde 1999 stattfand.

Nach zwei Bombenanschlägen auf US-Botschaften in den afrikanischen Hauptstädten Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania) am 7. August 1998, bei denen über 250 Menschen ums Leben kamen, unternahmen die USA von US-Kriegsschiffen im Roten und im Arabischen Meer aus Vergeltungsschläge gegen Ziele in Afghanistan und den Sudan. Hinter den Attentaten vermuteten die USA den islamisch-fundamentalistischen Terroristen Osama bin Laden, der schon seit Jahren als Initiator und Finanzier antiamerikanischer Attentate galt. Trotz der US-Militärschläge verweigerte Afghanistan jedoch die Auslieferung bin Ladens.

In der Auseinandersetzung mit dem Irak über die Befugnisse der UN-Sonderkommission UNSCOM, die die irakischen Massenvernichtungswaffen erfassen und der Vernichtung zuführen sollte und die von irakischer Seite wiederholt in ihrer Arbeit behindert wurde, drohte Clinton Anfang 1998 mit einer militärischen Intervention, notfalls auch ohne Rückendeckung der UN, und erhöhte die US-amerikanische Militärpräsenz am Golf. Am 31. Oktober 1998 kündigte der Irak die Zusammenarbeit mit den UN-Waffeninspektoren auf, ließ sich aber wenig später auf internationalen Druck hin wieder zum Einlenken bewegen. Nach neuerlichen Irritationen ordnete Clinton am 16. Dezember 1998 in Absprache mit dem britischen Premierminister Tony Blair Luftschläge gegen militärische Ziele im Irak an, die so genannte „Operation Wüstenfuchs”. Am 20. Dezember wurde die Operation beendet; irakische Flugabwehrstellungen blieben aber auch in den folgenden Monaten das Ziel sporadischer US-amerikanischer und britischer Angriffe.

Die Kongresswahlen im November 1998 erbrachten für die Demokraten einen überraschenden Stimmenzuwachs: Sie gewannen fünf Sitze im Repräsentantenhaus hinzu; im Senat blieb die Sitzverteilung gleich. In beiden Häusern aber hatten weiterhin die Republikaner die Mehrheit. Zentrales innenpolitisches Thema 1998/99 war die so genannte Lewinsky-Affäre. Clinton hatte eine sexuelle Beziehung zu der Praktikantin im Weißen Haus, Monica Lewinsky, vor einem Geschworenengericht geleugnet und Lewinsky angeblich auch zu einer Falschaussage veranlasst. Auf der Grundlage des so genannten Starr-Reports, des in alle Einzelheiten gehenden Berichts des Sonderermittlers Kenneth Starr über die Beziehung zwischen Clinton und Lewinsky, leitete das Repräsentantenhaus am 7. Januar 1999 wegen Meineids und Falschaussage ein Amtsenthebungsverfahren (siehe Impeachment) gegen Clinton ein – das zweite Impeachment in der Geschichte der USA. Da aber die Republikaner nicht über die für eine Amtsenthebung notwendige Zweidrittelmehrheit im Senat verfügten, endete das Verfahren mit einem Freispruch.

Im Kosovo-Konflikt übernahmen die USA die führende Rolle bei der Entscheidung, Luftschläge gegen die Bundesrepublik Jugoslawien auch ohne UN-Mandat zu führen. Im Vorfeld versicherte sich Clinton vor allem der Unterstützung seitens der NATO-Staaten sowie der Mehrheit im Kongress; an der NATO-Luftoffensive gegen Jugoslawien selbst waren die USA mit dem größten Flugzeug- und Truppenkontingent beteiligt. Das Engagement der USA im Kosovo-Konflikt zog erhebliche Störungen in den Beziehungen zu Russland und China nach sich. Zu China hatten die USA unterdessen gute, auf einer gleichberechtigten Partnerschaft basierende Beziehungen aufgebaut – u. a. hatten sich 1997 und 1998 Clinton und der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin gegenseitig besucht, und die USA bauten im Hinblick auf eine Aufnahme Chinas in die WTO ihre Handelsbeziehungen zu China aus. Der Angriff auf Jugoslawien, den China und Russland im UN-Sicherheitsrat abgelehnt hatten, und zudem der versehentliche Angriff auf die chinesische Botschaft in Belgrad während des Kosovo-Krieges stürzten die Beziehungen in eine tiefe Krise. Die Spannungen konnten aber relativ rasch wieder abgebaut werden: Im Oktober 1999 vereinbarten die USA und Russland eine Vertiefung der Zusammenarbeit in Fragen der Nuklearsicherheit, und im November 1999 schlossen die USA und China ein bilaterales Handels- und Wirtschaftsabkommen.

Im September 2000 entschuldigten sich die Vereinigten Staaten erstmals offiziell bei den Indianern für Verfolgung, Vertreibung und Misshandlung der Ureinwohner Amerikas. Vertreter des dem US-Innenministerium angeschlossenen Büros für indianische Angelegenheiten gaben die Veranlassung der Behörde zu Übergriffen gegen die indianische Bevölkerung während der letzten Jahrhunderte zu.

Der knappe Ausgang der Präsidentschaftswahlen am 7. November 2000 führte das Land an den Rand einer Verfassungskrise. Nachdem der Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei, Vizepräsident Al Gore, knapp vor seinem republikanischen Rivalen George W. Bush lag, musste das Ergebnis in Florida die Entscheidung bringen, wo es jedoch zu Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung kam. Mehr als fünf Wochen nach den Wahlen stand George W. Bush als Sieger fest, nachdem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten eine erneute Nachzählung umstrittener Stimmzettel im Bundesstaat Florida für unzulässig erklärt hatte. Damit erreichte Bush die erforderliche Mehrheit von 271 der insgesamt 538 Wahlmännerstimmen. Landesweit hatte sein Konkurrent Gore allerdings über 300 000 Wählerstimmen mehr erhalten. Am 18. Dezember 2000 wurde George W. Bush durch das Wahlmännergremium zum 43. Präsidenten der USA gewählt.

Bei den ebenfalls am 7. November abgehaltenen Wahlen zum Kongress erreichten die Republikaner im Repräsentantenhaus 221 Mandate, die Demokraten erlangten 212 Sitze, zwei Mandate gingen an Unabhängige. Im Senat, der zweiten Kammer des Kongresses, hielten beide Parteien jeweils 50 Sitze.

Alleinige Weltmacht USA – Präsident George W. Bush

Am 20. Januar 2001 trat George W. Bush sein Amt als Präsident der Vereinigten Staaten an. Im Februar verübten die Vereinigten Staaten Luftschläge gegen irakische Stellungen in der Nähe von Bagdad, die international scharf kritisiert wurden. Wenige Monate später erklärte Bush den Ausstieg der USA aus dem Klimaprotokoll von Kyoto.

Am 11. September 2001 wurden die Vereinigten Staaten von einer beispiellosen Terrorwelle erschüttert. Nach Einschlägen zweier entführter Passagierflugzeuge stürzten beide Türme des World Trade Centers im New Yorker Stadtteil Manhattan ein, beim gezielten Absturz eines weiteren entführten Flugzeugs wurden Teile des Pentagon zerstört. Bei den Anschlägen starben rund 3 000 Menschen. Nach den Terrorangriffen forderte Präsident Bush die Regierung Afghanistans zur Auslieferung des saudischen Terroristen Osama bin Laden auf. Der aus Sicht der USA als Drahtzieher der Anschläge verantwortliche Osama bin Laden genoss Gastrecht in Afghanistan. Die regierenden Taliban kamen dieser Forderung nicht nach. Nachdem sich die Vereinigten Staaten des uneingeschränkten Rückhalts für ihren Kampf gegen den Terrorismus bei den NATO-Partnern versichert und praktisch alle Staaten in einer Antiterrorkoalition vereint hatten, entsandten sie Militärverbände nach Afghanistan, die dort am 7. Oktober mit Luftangriffen begannen, denen später auch der Einsatz von Spezialeinheiten am Boden folgte.

Auch nach dem Sturz des Taliban-Regimes hatte der Kampf gegen den Terrorismus oberste Priorität in der Außen- und Innenpolitik. Im Dezember 2001 kündigte Bush einseitig den 1972 zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossenen ABM-Vertrag (SALT), der den Aufbau eines Raketenabwehrsystems untersagt. Die Kündigung des Vertrags rechtfertigte er u. a. mit dem Hinweis auf die Gefahr weiterer terroristischer Anschläge. Schon im Oktober 2001 war der Patriot Act in Kraft gesetzt worden, ein umfangreiches Gesetzeswerk zur Bekämpfung des Terrorismus, das erhebliche Eingriffe in die Bürgerrechte ermöglichte. 2002 beantragte Bush die Erhöhung des Verteidigungsetats um 48 Milliarden auf 379 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung, wie sie seit den Zeiten Ronald Reagans nicht mehr dagewesen war. Dies sowie die Kosten für die unmittelbaren Folgen der Terroranschläge und die Sondermittel für die Terrorbekämpfung und die Krisenbewältigung belasteten den US-Haushalt beträchtlich: Aus einem Überschuss von etwa 137 Milliarden US-Dollar (2001) war 2002 ein Defizit von fast 150 Milliarden US-Dollar geworden, die Staatsschulden überstiegen die gesetzliche Obergrenze von 5,95 Billionen US-Dollar.

Ebenfalls als Konsequenz aus den Terroranschlägen wurde auf Betreiben Bushs ein neues Ministerium eingerichtet, das Department of Homeland Security, das 22 bereits bestehende Sicherheitsbehörden (Secret Service, Flugsicherung, Küstenwache etc.) unter seinem Dach vereinigt und mit etwa 170 000 Mitarbeitern das drittgrößte US-Ministerium ist. Im November 2002 verabschiedete der Kongress das entsprechende Gesetz, und im Januar 2003 nahm die Behörde ihre Arbeit auf. Bei den Kongresswahlen im November 2002 konnten die Republikaner – ganz gegen die Tradition, der zufolge die regierende Partei bei den Zwischenwahlen verliert – im Repräsentantenhaus ihre Mehrheit ausbauen und im Senat zurückgewinnen.

Alleinige Weltmacht USA – Präsident George W. Bush – Irak-Konflikt

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verschärften die USA ihren Kurs auch gegenüber dem Irak erheblich. Bush rückte den Irak bzw. seinen Machthaber Saddam Hussein in die Nähe des islamistischen Terrors eines Osama bin Laden und reihte ihn in seiner Rede zur Lage der Nation im Januar 2002 neben Iran und Nordkorea in die „Achse des Bösen” ein. In der Folgezeit versuchte er, die Bündnispartner der USA von der Notwendigkeit zu überzeugen, im Irak einen Regimewechsel herbeizuführen, und setzte dabei zusehends auf den Einsatz militärischer Mittel. Jedoch stieß er mit diesem Kriegskurs bei zahlreichen Staaten auf Kritik, darunter bei den meisten Mitgliedern der Europäischen Union; allein Großbritannien unterstützte rückhaltlos diesen Kurs. Entsprechend lehnte der UN-Sicherheitsrat auch eine von den USA angestrebte Resolution ab, die dem Irak ultimativ mit militärischer Gewalt drohte, sofern sich das Land der Wiederaufnahme und Durchführung der 1998 eingestellten UN-Waffenkontrollen und der Abrüstung seiner mutmaßlich noch vorhandenen Massenvernichtungswaffen widersetzte. Verabschiedet wurde im Sicherheitsrat dagegen nur eine Resolution (Nr. 1441 vom 8. November 2002), die dem Irak mit „ernsten Konsequenzen” drohte, sofern er gegen die Bestimmungen dieser Resolution (detaillierte Informationen über sein Waffenprogramm, ungehinderter Zugang der UN-Waffeninspektoren zu allen gewünschten Einrichtungen etc.) verstoße.

Unterdessen hatte die US-Regierung im September 2002 eine neue Militärdoktrin vorgelegt, in der festgelegt wurde, dass Amerika nie wieder das Entstehen eines Rivalen zulassen und immer die stärkste Militärmacht sein werde, zudem Drohungen wenn nötig durch präventive Militärschläge bekämpfen werde. Im Oktober 2002 statteten außerdem beide Häuser des Kongresses Bush mit der Vollmacht für einen möglichen Militärschlag gegen den Irak aus, um die Sicherheit der USA zu verteidigen oder die UN-Resolutionen durchzusetzen. Ein UN-Mandat hielt der Kongress für den Kriegsfall zwar für wünschenswert, nicht aber für zwingend notwendig.

Zwar fanden die UN-Waffeninspektoren, die seit November 2002 wieder im Irak tätig waren, keine Beweise für das Vorhandensein von Massenvernichtungswaffen; dennoch verschärften die USA u. a. unter Hinweis auf eigene, gegenteilige Erkenntnisse ihre Drohungen gegen den Irak und begannen, um ihre Drohung zu untermauern, mit der Stationierung umfangreicher Truppenkontingente in der Golfregion, insgesamt etwa 225 000 Soldaten. Zahlreiche Staaten, darunter führend Frankreich und Deutschland, lehnten einen Militärschlag gegen den Irak jedoch weiterhin klar ab und mussten sich deshalb von den USA als „altes Europa” und „Problem” abqualifizieren lassen. Die europäische Weigerung, sich an einem Irak-Krieg zu beteiligen, hatten die transatlantischen Beziehungen merklich abkühlen lassen.

Am 17. März 2003, als definitiv feststand, dass die USA mit ihrer Forderung nach einer einen Krieg legitimierenden Resolution im Sicherheitsrat keine Mehrheit finden würden, forderte Bush Saddam Hussein ultimativ auf, binnen 48 Stunden sein Land zu verlassen; andernfalls drohe militärische Gewalt. Kurz nach Ablauf des Ultimatums begannen US-Streitkräfte am 20. März mit der Bombardierung ausgewählter Ziele in Bagdad den Irak-Krieg. Unterstützt wurde der Krieg vor allem von Großbritannien sowie einigen weiteren europäischen Ländern und einer Reihe von Staaten, die auf der weltpolitischen Bühne zumeist keine allzu große Rolle spielten; der Großteil der Staatenwelt lehnte ihn ab, hielt ihn für unnötig, weil er hätte vermieden werden können; zahlreiche Völkerrechtler bezeichneten ihn als völkerrechtswidrig. Der US-Kongress aber bewilligte Präsident Bush knapp 80 Milliarden US-Dollar für den Krieg.

Der nach der Strategie Shock and Awe („Schock und Einschüchterung”) geführte Krieg konnte zwar nicht so rasch und reibungslos entschieden werden, wie von den USA erhofft; dennoch konnten US-Truppen drei Wochen nach Kriegsbeginn die Hauptstadt Bagdad einnehmen und damit de facto das Regime Saddam Husseins beenden. Nur wenige Tage nach dem Fall der Hauptstadt und des Regimes installierten die USA im Irak eine Übergangsverwaltung unter dem ehemaligen US-General James Garner (der im Mai von dem US-Diplomaten Paul Bremer abgelöst wurde); eine führende Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau und der Neuordnung des Irak, wie sie von vielen Seiten gefordert wurde, lehnten sie ab. Desgleichen widersetzten sie sich einer Rückkehr der UN-Waffeninspektoren in den Irak und übernahmen die Suche nach den vermeintlichen Massenvernichtungswaffen nun selbst, jedoch ebenso ohne Erfolg wie vor ihnen die UN-Inspektoren. Womit der offiziellen US-amerikanischen Rechtfertigung des Krieges – die Beseitigung der Massenvernichtungswaffen im Irak – nach und nach jede Grundlage entzogen wurde. Mit ihrer Forderung, die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak baldmöglichst aufzuheben, um den Wiederaufbau des Landes zu finanzieren, fanden sich die USA ebenfalls im Widerspruch zu einer ganzen Reihe von Staaten, die vor einer Beendigung der Sanktion alle UN-Resolutionen erfüllt sehen wollten. Vermutlich spielte bei ihrer Ablehnung auch die Tatsache eine Rolle, dass die USA als Besatzungsmacht im Falle der Aufhebung der Sanktionen großen Einfluss auf die irakische Ölidustrie gewinnen würden.

Am 1. Mai 2003 erklärte Präsident Bush die Kampfhandlungen im Irak für beendet und nannte den militärischen Erfolg im Irak einen Sieg in dem seit dem 11. September 2001 andauernden „Kampf gegen den Terror”, der aber auch nach dem Sturz des Hussein-Regimes noch nicht vorbei sei. Zugleich sagte er die Hilfe der USA bei der Errichtung einer demokratischen Regierung im Irak zu („a government of, by and for the Iraqi people” – in Anlehnung an Lincolns Gettysburg Address von 1863 formuliert).