Wirtschaft Vereinigten Staaten von Amerika

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Wirtschaft Vereinigten Staaten von Amerika 2017-03-20T11:54:58+00:00

Die USA sind eine der bedeutendsten Industrienationen der Erde. Bis weit in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein blieb die Landwirtschaft wichtigster Wirtschaftsbereich. Im Zuge des Amerikanischen Bürgerkrieges und vor allem danach setzte verstärkt die Industrialisierung des Landes ein. Während des 1. Weltkrieges war der Export von Fertiggütern bereits wichtiger als die Ausfuhr von Rohstoffen. Mit der Technisierung ging eine Mechanisierung der Landwirtschaft und deren Produktivitätssteigerung mit einer ständig abnehmenden Zahl von Arbeitskräften einher. Wichtigste Entwicklung in der Volkswirtschaft seit Ende des 2. Weltkrieges ist die Ausdehnung des Dienstleistungssektors mit staatlichen und kommerziellen Dienstleistern, Handels- und Finanzdienstleistungen.

1996 war die Wirtschaft der USA durch ein moderates Wachstum gekennzeichnet. Dieser Trend setzte sich 1997 verstärkt fort. Die Staatsverschuldung konnte beispielsweise von 49,9 Prozent (1996) auf 47,6 Prozent (1997) des Bruttoinlandsproduktes gesenkt werden. Als wichtigen Erfolg sahen Experten die Senkung der Arbeitslosenquote an – vor allem im internationalen Vergleich. Im Dienstleistungssektor sind 75 Prozent (2000) aller Erwerbstätigen beschäftigt. In der Industrie arbeiten 23 Prozent und in der Landwirtschaft 3 Prozent aller Werktätigen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 10 065 Milliarden US-Dollar (2001; Dienstleistungen 73,5 Prozent, Industrie 24,9 Prozent, Landwirtschaft 1,6 Prozent), woraus sich ein BIP pro Kopf von 35 280 US-Dollar ergibt. Die Inflationsrate liegt bei durchschnittlich 2,04 Prozent (1990–2001), die Wachstumsrate bei 3,40 Prozent (1990–2001).

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

In der Landwirtschaft erwirtschaften 3 Prozent der US-Arbeitskräfte 1,6 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (2000). Gleichwohl sind die USA in zahlreichen Teilbereichen weltweit führend. US-Farmer produzieren mehr Agrarprodukte für den jährlichen Export als jedes andere Land.

Für die Viehwirtschaft sind vor allem Rinder von Bedeutung, die meist auf großen Ranches in den südwestlichen US-Staaten gehalten werden. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Weizen, Mais, Sojabohnen, Tabak, Zitrusfrüchte, Kartoffeln, Zuckerrohr, Rüben, Reis und Trauben.

24,7 Prozent des US-Territoriums sind bewaldet. Ein großer Teil des eingeschlagenen Holzes ist wirtschaftlich verwertbares Nutzholz zur Gewinnung von Schnittholz, Papier und anderen Holzprodukten.

Die Fischerei ist von wirtschaftlich hoher Bedeutung. Die USA liegen weltweit, gemessen am Fanggewicht, an sechster Stelle hinter Russland, China, Japan, Peru und Chile.

Bergbau

Die Vereinigten Staaten sind reichlich mit natürlichen Ressourcen ausgestattet. Auf Grund des hohen Eigenbedarfs ist das Land jedoch bei einigen Rohstoffen auf Importe angewiesen. Bodenschätze werden in sämtlichen Einzelstaaten gefördert, wobei die fünf führenden Bergbaustaaten Texas, Louisiana, Alaska, Oklahoma und Kalifornien sind. Hier wird die Hälfte der in den USA geförderten Mengen abgebaut.

Die drei wichtigsten Rohstoffe des Landes sind Erdöl, Erdgas und Steinkohle. An der Weltproduktion haben die USA bei Erdgas einen Anteil von circa 24 Prozent, bei Erdöl von 13 Prozent und bei Steinkohle von 23 Prozent. Auch bei der Förderung von Kupfer-, Eisen- und Bleierz sowie Gold und Silber nehmen die USA im internationalen Vergleich Spitzenpositionen ein.

Industrie

Obgleich der Produktionssektor nach wie vor ein Schlüsselbereich der US-Volkswirtschaft ist, hat sich seine Bedeutung seit den späten sechziger Jahren verringert.

Bedeutende Industriezweige sind neben der chemischen Industrie, der Metallgewinnung und -verarbeitung sowie dem Flugzeug- und Fahrzeugbau beispielsweise die Computer- und Elektronikindustrie sowie die Rüstungsindustrie. Ebenfalls wichtig sind außerdem die Textil- und Bekleidungsindustrie, die Biotechnologie sowie die Papier- und Zellstoffherstellung.

Währung und Bankwesen

Die amerikanische Währung ist der US-Dollar, wobei ein Dollar 100 Cents entspricht. Münzen zu sechs Nennwerten sind in Umlauf: der Penny oder 1 Cent; Nickel oder 5 Cents; Dime oder 10 Cents; Quarter oder 25 Cents; halber Dollar oder 50 Cents; schließlich Ein-Dollar-Münzen, die mittlerweile nicht mehr hergestellt werden.

Es gibt etwa 12 000 versicherte US-Banken mit über 66 000 Bankfilialen. Das Federal Reserve System, die US-Bundesbank, ist die zentrale Bankorganisation der Vereinigten Staaten. Sämtliche nationalen US-Banken sind Zwangsmitglieder des Federal Reserve System; einzelstaatliche Banken können freiwillig bei Erfüllung bestimmter Bedingungen Mitglied werden. Bedeutende Bank-Holdinggesellschaften sind beispielsweise Citicorp, Chemical Banking Corp., J. P. Morgan Co Inc. und Chase Manhattan Corp., alle mit Sitz in New York City.

Außenhandel

Die Vereinigten Staaten gehören zu den führenden Handelsnationen der Erde. Seit Mitte der siebziger Jahre führen die teueren Rohölimporte und die Gütereinfuhr aus Kanada und Asien zu einem hohen Handelsbilanzdefizit. Die wichtigsten Exportgüter sind neben Maschinen, elektronischen Geräten (Computer) und Fahrzeugen, die zusammen einen Anteil von 40 Prozent am Gesamtexport ausmachen, vor allem chemische Erzeugnisse, Nahrungs- und Genussmittel, Mineralölprodukte und Steinkohle. Kanada und Japan sind die wichtigsten Handelspartner; große Bedeutung haben auch Mexiko, Deutschland, China, Großbritannien und Südkorea.

Verkehrswesen

Die frühesten Reise- und Transportwege waren die Flüsse. Daneben gab es Pfade, die für Fußmärsche und Ritte geeignet waren. In den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurden die ersten richtigen Straßen gebaut. Diese waren gebührenpflichtig. Neben den Überlandwegen wurden vom späten 18. Jahrhundert bis 1850 zahlreiche Kanäle gebaut, um die Flüsse und Seen in den östlichen USA mit den Großen Seen zu verbinden. Vom Osten ausgehend wurde das Territorium ab 1820 mit Schienen erschlossen. Die erste transkontinentale Eisenbahn wurde von 1862 bis 1869 von den Eisenbahngesellschaften Union Pacific und Central Pacific erbaut. 1916 hatte das Eisenbahnnetz seine größte Ausdehnung. Mit zunehmender Bedeutung von Autos und Flugzeugen als Verkehrsmittel wurden seither viele Streckenabschnitte stillgelegt.

Der Luftverkehr trat nach dem 1. Weltkrieg in Wettbewerb mit den älteren Transportträgern, wobei der Passagierverkehr per Flugzeug ab den späten zwanziger Jahren zunehmend an Bedeutung gewann. Nach Ende des 2. Weltkrieges entwickelte sich der Passagierluftverkehr zu einem führenden Träger des Reiseverkehrs.

Der Güterverkehr wird zu 38 Prozent über die Schiene, zu 26 Prozent über die Straße, zu 20 Prozent durch Ölpipelines und zu 16 Prozent über die Binnenwasserstraßen abgewickelt.

Die Personenbeförderung wird zu 81 Prozent mit Privatfahrzeugen durchgeführt, Fluggesellschaften stehen mit 17 Prozent an zweiter Stelle der Personenbeförderung. Von nur mehr geringer Bedeutung ist der Transport mit Bus und Bahn; er liegt bei 1,1 (Bus) bzw. 0,6 Prozent (Eisenbahn).

Über 190 Millionen Autos sind in den USA registriert, davon sind über 75 Prozent Pkw und rund 20 Prozent Lkw.

Verkehrswesen – Schifffahrt

Die Vereinigten Staaten verfügen nur über eine relativ kleine Handelsflotte. Zu ihr gehören weniger als 650 Schiffe über 1 000 Bruttoregistertonnen. Viele Reeder lassen ihre Schiffe aus Kostengründen unter liberianischer und panamáischer Flagge laufen.

Führende Seehäfen sind beispielsweise New Orleans, Baltimore und New Port. Obwohl New York City nicht mehr größter Seehafen ist, hat er nach wie vor große Bedeutung für den Passagier- und Frachtverkehr.

Das Netz der Binnenwasserstraßen besteht aus drei Hauptzweigen: dem Mississippi-Flusssystem, den Großen Seen und dem Netz der Küstenwasserstraßen. Circa 64 Prozent des jährlichen Wasserfrachtaufkommens im Binnenland werden über den Mississippi und seine Nebenflüsse abgewickelt, ein Wasserstraßennetz von insgesamt über 24 140 Kilometer Länge. Saint Louis (Missouri) ist der größte Binnenhafen in diesem System; Duluth (Minnesota) und Superior (Wisconsin) sind die größten Häfen der Großen Seen. Hochseeschiffe fahren zwischen den Großen Seen und im Atlantik durch den Sankt-Lorenz-Seeweg (eröffnet 1959). Die Küstenwasserstraße Intracoastal Waterway ist ein schiffbarer, zollfreier Schifffahrtsweg, der sich über circa 1 740 Kilometer entlang der Atlantikküste und über circa 1 770 Kilometer entlang dem Golf von Mexiko erstreckt. Rund 45 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens aller Küstenwasserstraßen laufen durch den Gulf Intracoastal Waterway, circa 30 Prozent werden über den Atlantic Intracoastal Waterway abgewickelt und etwa 25 Prozent über die Pacific Coast Waterways.

Verkehrswesen – Luftverkehr

Die nationalen Fluggesellschaften befördern jährlich über 460 Millionen Passagiere, davon sind die meisten US-Amerikaner. Das Land hat circa 5 100 öffentliche und 12 400 Privatflugplätze bzw. Flughäfen. Größte Flughäfen sind Chicago-O’Hare in Atlanta, John F. Kennedy International Airport in New York City, Los Angeles International und Dallas/Fort Worth Airport in Texas.

Tourismus

Die Zahl der Touristen aus anderen Staaten betrug 1999 etwa 47 Millionen. Die meisten Besucher kommen aus Westeuropa, Japan, Kanada und Mexiko. New York City ist sowohl bei amerikanischen als auch bei ausländischen Touristen eines der beliebtesten Reiseziele. In Kalifornien und Florida hat sich der Tourismus zu einer der wichtigsten Branchen entwickelt.

Energie

Die USA haben den größten Energieverbrauch der Welt. Seit 1947 sind die Vereinigten Staaten Netto-Ölimporteur; die eigene Ölförderung bleibt hinter der Nachfrage zurück. 1970 erreichte die US-Erdölförderung mit 3,5 Milliarden Barrel Öl (1 Barrel entspricht etwa 159 Liter) ihre Spitze. Bereits 1970 konnte der Bedarf an Erdöl nur durch ergänzende Importe gedeckt werden.

71,4 Prozent des Gesamtenergiebedarfs erzeugen Wärmekraftwerke. Über die Hälfte davon entfällt auf den Energieträger Steinkohle. Kernkraftwerke liefern 20,7 Prozent, und Wasserkraftwerke liefern einen Anteil von 5,6 Prozent. Wind- und Sonnenenergie haben auf nationaler Ebene eine eher untergeordnete Rolle; Windkraftanlagen gibt es vor allem in Kalifornien.